Eine Milliarde Menschen hungern weltweit

Mit einem Festgottesdienst in Sindelfingen ist am 1. Avent die 53. Aktion „Brot für die Welt“ für Württemberg eröffnet worden. „Rund eine Milliarde Menschen hungern weltweit, 80 Prozent der Hungernden leben auf dem Land. Sie hungern, weil sie nicht genügend Land haben, sich selbst zu versorgen. Die Schere, die aufgeht – Reiche werden reicher, Arme werden ärmer – schneidet alle“, so Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Chef der württembergischen Diakonie und der Landesstelle „Brot für die Welt“, in der Martinskirche. Die 53. Aktion steht deshalb unter dem Motto „Land zum Leben – Grund zur Hoffnung“.
Im Mittelpunkt der Eröffnung stand die Situation in dem westafrikanischen Land Burkina Faso. Oberkirchenrat Dieter Kaufmann: „In Burkina Faso gibt es keine sieben Untersuchungsprogramme für Kleinkinder. Das Klima lässt Menschen hungern. Oft ist nur verschmutztes Wasser da. Jedes fünfte Kind stirbt vor seinem fünften Geburtstag.“ „Brot für die Welt“ unterstützt die Evangelische Kirche in Burkina Faso bei Programmen zur Ernährungssicherung, eine Grundvoraussetzung, damit Kinder bessere Überlebenschancen haben. „Überleben im Klimawandel ist bei uns eine tägliche Übung“, erklärte Pasteur Etienne Bazié, Leiter des Entwicklungshilfebüros der evangelischen Kirche in Burkina Faso, in der Martinskirche. 85 Prozent der Menschen in dem westafrikanischen Land leben von der Tierzucht oder Landwirtschaft. Der kirchliche Entwicklungsdienst unterstützt deshalb neben der Alphabetisierung Bauern beim Errichten von Steinwänden, um die Felder von Wind zu schützen oder beim Bau von Brunnen oder Düngegruben. Damit hat sich der Ertrag der Ernten bei vielen Kleinerbauern so stark gesteigert, dass ein Teil der Ernte verkauft werden und Kindern zur Schule geschickt werden können. „Wir fordern aber auch Politiker auf, jungen Menschen, Frauen und Armen Land und auch Bildung zukommen zu lassen, damit sie überleben können“, sagte Pasteur Etienne Bazié. Gott habe den Mensch in den Garten Gottes gesetzt, um ihm zu hegen. „ Wir sind deshalb verpflichtet unsere Umwelt zu pflegen – auch für zukünftige Generationen. Nur, wenn wir teilen, können wir die Welt aufrecht erhalten.“
Für die musikalische Gestaltung des Festgottesdienstes in Sindelfingen sorgten die afrikanische Musikgruppe Tasuma und der Chor der Martinskirche. Im Anschluss an den Gottesdienst fand im Stiftshof ein Empfang mit einer Talkrunde statt. Gäste bei der Talkrunde waren der Sindelfinger Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer, Landrat Roland Bernhard, Dekan Bernd Liebendörfer, Etienne Bazié, Oberkirchenrat Dieter Kaufmann und Gisela Winkler, die sich seit fast 40 Jahren für die Partnerschaft des Kirchenbezirks Böblingen mit Burkina Faso engagiert.
Bitte um Spenden
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Kurzer Film zum Motto der 53. Aktion "Land zum Leben - Grund zur Hoffnung"
Überleben im Klimawandel

Burkina Faso kämpft gegen zunehmende Trockenheit. Viele Kinder haben nicht genug zu essen und sind daher anfällig für Krankheiten. In Burkina Faso stirbt jedes fünfte Kind vor seinem fünften Geburtstag. Das kirchliche Entwicklungsbüro ODE leistet Gesundheitsfürsorge und hilft den Bauern, sich an die Klimaveränderungen anzupassen. "Brot für die Welt" unterstützt auch diese Aktion.
Das Comeback der tollen Knolle
3.800 Kartoffelsorten kannten die Inkas in Peru. Eine verfehlte Agrarpolitik hat sie ausgerottet und zur Unterernährung geführt. „Brot für die Welt“ unterstützt Dorfgemeinschaften bei dem Bestreben, alte Sorten wieder einzuführen. Bauer Mario Ochante ist begeistert: „Sie schmecken besser und sind resistent gegen viele Schädlinge.“ Die Ernährungssituation hat sich verbessert. „Wir essen besser, wir leben besser und können unsere Kinder selbst ernähren“, so Bauer Lucas Tenorio.
Hoffnung für Aidskranke
Victorine Wambura von der koptischen Kirche in Kenia ist mit ihrem Team unermüdlich unterwegs, um Menschen über die Gefahren von HIV-Aids aufzuklären. „Meine Schwester wäre noch am Leben, wenn wir mehr gewusst hätten.“ Deshalb will sie anderen helfen. Im „Hoffnungszentrum“ der Kirche wurden über 15.000 Menschen mit Aidsmedikamenten versorgt. Die Krankheitswelle in Kenia ebbt etwas ab – auch dank der mobilen Beraterteams, die „Brot für die Welt“ unterstützt.
Aufstand der Ausgebeuteten
„Landcrabbing“ – Landraub stürzt viele Menschen in Armut. So z.B. in Chhota Guntia, einem Dorf in Indien. Eine internationale Firma will den Bauern ihr fruchtbares Land wegnehmen, um rücksichtslos Rohstoffe auszubeuten. „Brot für die Welt“ unterstützt den Widerstand – bisher erfolgreich: 10.000 Menschen in 16 Dörfern konnte so ihre Existenz sichern. „Wir sind aufgestanden, das gibt Vertrauen in die Zukunft“, so ein Bürgermeister. Denn „Wo und wovon sollen wir ohne unser Land leben?“.
