Ohne Regen durchs Rottal gepilgert

Die Regenkleidung konnte im Rucksack bleiben, denn die Wetterprognose hatte nicht Recht gehabt. So machten sich bei bestem Wanderwetter Interessierte auf, um einen Teil des Diakonie Pilgerwegs zwischen Schwäbisch Hall und Erlach zu erkunden und dabei zwei diakonische Einrichtungen kennen zu lernen.

Startpunkt war der Sonnenhof, der Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung begleitet und unterstützt. Nach der Andacht in der Arche stellten Pfarrer Michael Werner und Heinz Schüle, theologischer beziehungsweise kaufmännischer Vorstand, die Einrichtung mit 960 Mitarbeitenden vor, die über 1.600 Menschen mit Behinderung im Landkreis Schwäbisch Hall unterstützen. Traugott Hascher, Referent für Öffentlichkeitsarbeit, führte übers Gelände mit Wohnhäusern, Therapieräumen, einem Backhäuschen und Schule. Groß war die Freude, dass vor dem Abmarsch frisch gekochter Gaisburger Marsch sowie Äpfel und Bananen als Stärkung und Proviant gereicht wurden. Auch Werner und Schüle machten sich mit auf den Weg durchs romantische Rottal. Zwischendrin luden Albrecht Daiss und Ernst Wahl von der Landesgeschäftsstelle des Diakonischen Werks Württemberg zum Innehalten bei Liedern und Gebeten ein und gaben Informationen zu Sehenswürdigkeiten am Weg. 

Nach einer ersten Etappe entlang von Feld und Wald und dem Flüsschen Rot erwartete die Pilger eine willkommene Stärkung. Am Wegesrand verkaufte ein Imker seinen Honig. Als die Einkäufer nach einem Schwätzchen aufs Gelände der Traubenmühle nachkamen, labte sich die Vorhut bereits an einem leckeren Holunder-Apfel-Schorle. Der frühere Förster Eckhart Zeyher war extra hergekommen, um den durstigen Pilger die Becher zu füllen und anschließend mit zu pilgern. Links des Weges im Wald wurden die Überreste der Hankertsmühle besichtigt. Sie existierte schon vor ihrer ersten Erwähnung 1371. Nach dem Unfalltod der Müllersfrau, die von einem Treibriemen erfasst worden war, wanderte der Müller mit seinen 13 Söhnen 1909 nach Amerika aus.

Letztes Ziel und Abschluss war die Erlacher Höhe, ein diakonisches Sozialunternehmen der Arbeits- und Wohnungslosenhilfe. Während die Pilger den lang ersehnten Kaffee tranken und sich dazu frischen Erdbeerkuchen oder ein ordentliches Stück Fleischkäse mit buntem Salat schmecken ließen, stellte Geschäftsführer Wolfgang Sartorius die Einrichtung vor. Beim anschließenden Rundgang wurde für die Wanderer sichtbar, was Sartorius zuvor gemeint hatte: „Wir wollen wohnungslosen, seelisch behinderten und arbeitslosen Menschen ein Gesicht geben.“ Im Treff entlockt ein Maler den Klienten ungeahnte künstlerische Fähigkeiten, in der Holzwerkstatt werden dicke Bretter gebohrt und auch Holzläden auf Vordermann gebracht. Am Kaufladen und dem Puppenhaus mit fein gearbeiteten Details aus Holz im Laden konnten sich die Pilger kaum satt sehen. Spätestens in der Vorweihnachtszeit wollen sie wiederkommen, um Geschenke einzukaufen, haben sich Einige der Wanderer vorgenommen. 

Die Vorhersage des Wetterdienstes hatte so Unrecht dann doch nicht. Aber erst jetzt, beim Einstieg in den Bus, der die Pilger wieder an den Ausgangspunkt zurückbrachte, fielen die ersten Tropfen. So soll’s sein!

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