FSJplus-Abschlussfeier in der Gotthilf-Vöhringer-Abendrealschule
Sozialministerin Katrin Altpeter: „Ihr könnt stolz auf euch sein“
Wilhelmsdorf/Stuttgart, 16. Juli 2012. Für 18 junge Frauen und Männer ist ein wichtiger Lebensabschnitt erfolgreich zu Ende gegangen. Zwei Jahre lang drückten sie neben ihrer freiwilligen Arbeit in einer diakonischen Einrichtung auch die Schulbank – um jetzt ihren Realschulabschluss in der Tasche zu haben. Möglich machte dies das Modellprojekt FSJplus. Unter den Gratulanten bei der Zeugnisübergabe in der Wilhelmsdorfer Gotthilf-Vöhringer-Abendrealschule war auch die baden-württembergische Sozialministerin Katrin Altpeter.
„Das FSJplus ist ein Erfolgsmodell, das sich Jahr für Jahr bewährt hat“, betonte die extra zur Feier angereiste Ministerin. Sie beglückwünschte die Absolventen und würdigte angesichts der anstrengenden Doppelbelastung ihr Durchhaltevermögen: „Ihr könnt stolz auf euch sein.“ Der Landesregierung, so Altpeter, sei es ein zentrales Anliegen, „dass kein Jugendlicher auf seinem Weg verloren geht“. Ein Thema, das auch in der anschließenden Talkrunde zur Sprache kam. Kirchenrätin Heike Baehrens, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg, bezeichnete es als wichtig, auch jungen Menschen mit schwierigeren Voraussetzungen eine gute berufliche Perspektive zu ermöglichen. Insofern sei das FSJplus ideal: Durch die soziale Arbeit würden die Schüler merken: „Ich werde gebraucht, ich kann was.“ Dem pflichtete der Vorstandsvorsitzende der Bruderhaus Diakonie Lothar Bauer bei: „Es gibt so viele Jugendliche, die keine Kopfmenschen, sondern Handmenschen sind.“ Gerade diese jungen Leute, die in der Praxis besser zu Recht kommen, seien in unserem Bildungssystem aber oft benachteiligt.
Wie schon mehr als 100 junge Menschen vor ihr hat Sylvia Mellert die Chance FSJplus genutzt. Dieses zweijährige Projekt ist eine besondere Variante des Freiwilligen Sozialen Jahres, die das Diakonische Werk Württemberg zusammen mit dem Diakonischen Institut für soziale Berufe seit vier Jahren anbietet. Die im Land einzigartige Bildungsmaßnahme richtet sich an volljährige Hauptschüler – auch jene mit eher schlechteren Noten – und ist eine Kombination aus Theorie und Praxis. So arbeiten die Freiwilligen in einer Einrichtung der Diakonie, sammeln dabei wertvolle Erfahrungen im Umgang mit alten oder behinderten Menschen und besuchen daneben den Unterricht in der Gotthilf-Vöhringer-Abendrealschule in Wilhelmsdorf. Ziel: der Realschulabschluss und damit deutlich verbesserte berufliche Chancen. Die meisten der FSJplus-ler– so die Statistik – erlernen anschließend einen sozialen Beruf. Alle Prüflinge haben bestanden. „Wir haben es geschafft“, freute sich die frisch gebackene FSJplus -Absolventin Sylvia Mellert. Zwar habe es auch Tiefen gegeben, wie sie in ihrem Grußwort in der vollbesetzten Aula einräumte. Doch nun, mit der Mittleren Reife in der Tasche, könne man durch Türen gehen, „die uns sonst verschlossen geblieben wären“.
Das FSJplus Finanziert wird das Projekt aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds des Ministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren sowie des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie aus Eigenmitteln der Diakonie. Im Moment werde eine neue Förderperiode verhandelt, so Ministerin Altpeter. Lothar Bauer äußerte seine Hoffnungen, „dass das FSJplus den Projektstatus verlässt“. Und auch Heike Baehrens forderte stabile Rahmenbedingungen und Planungssicherheit für die Schulträger. So sei es enorm wichtig, das Modell voll anzuerkennen und für eine Regelfinanzierung zu sorgen.
Für den im September beginnenden Kurs können sich 18- bis 26-Jährige jetzt bewerben.
