Langzeitarbeitslose bleiben immer länger arbeitslos

72.778 Personen gegenüber 3.155 Beschäftigung schaffenden Maßnahmen.


Zumeldung zur Meldung der Agentur für Arbeit zu den Arbeitslosenzahlen im Januar 2016

Stuttgart, 2. Februar 2016. Heute hat die Agentur für Arbeit die aktuellen Arbeitslosenzahlen bekannt gegeben und die positive Arbeitslosenquote gegenüber anderen Bundesländern unterstrichen. Wir lenken den Blick auf Zahlen, die die Probleme des Arbeitsmarkts in Baden-Württemberg zeigen:

Die Zahl der Arbeitslosen ist im ersten Monat des Jahres 2016 um 9,8 % oder 21.551 Personen deutlich gestiegen. Dieser Anstieg wird von der Agentur für Arbeit als rein saisonal eingeschätzt. Da er geringer ausfällt als im Vorjahresmonat, habe sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt sogar verbessert.

Allerdings hat sich die Zahl der Langzeitarbeitslosen gegenüber dem Vorjahresmonat fast gar nicht verändert (-263). Im Jahresverlauf deutlich zum Schlechteren verändert hat sich die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit für Langzeitarbeitslose und im SGB-II-Bereich. Sie liegt jetzt bei 569 Tagen und damit um 17 Tage über dem Januar 2015. Der Anteil der Hartz-IV-Empfänger an den Arbeitslosen beträgt aktuell 55,1 % und ist sowohl gegenüber dem Vorjahresmonat wie auch im Jahresverlauf gestiegen.

  • Die Gesamtzahl der Beschäftigten (November 2015) ist gegenüber dem Vorjahr um 109.300 auf 4.443.800 gestiegen. Dass gleichzeitig die Arbeitslosigkeit nur um 2.797 Personen abgenommen hat, zeigt, dass die Arbeitsmarktentwicklung an den Arbeitslosen vorbei geht.
  • 72.778 Personen oder 30,2 % aller Arbeitslosen sind länger als ein Jahr arbeitslos, das sind gegenüber dem letzten Monat 2.964 Personen mehr und gegenüber dem Vorjahresmonat nur 1.059 Personen weniger.
  • Betroffen von Langzeitarbeitslosigkeit sind vor allem Arbeitslosengeld-II-Bezieher, sie sind an der Arbeitslosigkeit mit 55,5 %, an der Langzeitarbeitslosigkeit aber mit 84,3 % beteiligt.
  • Die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit beträgt für SGB-II-Arbeitslose 569 Tage – zwei Tage weniger als im Vormonat, aber 17 Tage mehr gegenüber dem Vorjahresmonat. Demgegenüber beträgt die Dauer der Arbeitslosigkeit im SGB III nur durchschnittlich 164 Tage und ist gegenüber dem Vorjahresmonat sogar um 11 Tage gesunken.
  • Der Bericht der Arbeitsagentur weist aus, dass im Juli 48.826 Personen ihre Arbeitslosigkeit beendeten, aber nur 15.769 Personen konnten in eine Erwerbstätigkeit übergehen.
  • Nur 17,7 % derjenigen, die aus dem SGB II heraus ihre Arbeitslosigkeit beendeten, konnten auch eine Erwerbstätigkeit beginnen; von den SGB-III-Empfängern, die aus der Arbeitslosigkeit abgingen, waren das immerhin 44 %.
  • Der Bestand an offenen Stellen beträgt 81.203, womit auf jede gemeldete offene Stelle immer noch ungefähr 3 Arbeitslose kommen.
  • Die Zahl der Beschäftigung schaffenden Maßnahmen ist gegenüber dem Vormonat nochmals um 1.186 und gegenüber dem Vorjahresmonat um 1.517 auf jetzt nur noch 3.155 Plätze reduziert worden. 

Fachwissenschaftler weisen inzwischen darauf hin, dass das Leitbild des Forderns und der aktivierenden Arbeitsmarktpolitik gegen das einer befähigenden Arbeitsmarktpolitik getauscht werden muss, die mehr auf Teilhabe als auf Vermittlung in Arbeit ausgerichtet ist. Aber entgegen dieser Erkenntnis werden die Unterstützungsmaßnahmen der Jobcenter immer weiter reduziert. Es zeigt sich immer deutlicher, dass Langzeitarbeitslose und ihre Familien ohne öffentlich geförderte Beschäftigung keine Chance mehr zur Teilhabe und zur Integration in Arbeit bekommen. Die Diakonie fordert dies seit langem und hat mit dem Passiv-Aktiv-Transfers ein realistisches Finanzierungskonzept vorgelegt, während die Bundesregierung trotz positiver wirtschaftlicher Rahmenbedingungen die Möglichkeit zu Handeln verpasst.

Weitere Hinweise unter:
http://www.initiative-pro-arbeit.de/   
http://www.o-ton-arbeitsmarkt.de/   

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