Chancen und Herausforderungen des demografischen Wandels


Die neuesten Hochrechnungen des statistischen Landesamtes Baden-Württemberg im Februar 2010 bestätigen, die in den Medien stark diskutierte Alterung der deutschen Gesellschaft. Bereits im Jahr 2030 wird der Anteil der über 60-Jährigen doppelt so stark sein wie der der unter 20-Jährigen. ?Die Diakonie verzeichnete in den letzten Jahren eine ständig wachsende Nachfrage nach Pflege- und Haushaltsdienstleitungen ? sie hat mit der Ausweitung ihrer Kapazitäten reagiert und mit zahlreichen neuen Angeboten, die den Menschen das Leben trotz mancher Einschränkungen erleichtern soll? sagt Johannes Kessler, Leiter der Abteilung für Gesundheit, Alter und Pflege in der Landesgeschäftsstelle der württembergischen Diakonie ?Wir haben gut ausgebildetes Fachpersonal, das speziell auf Bedürfnisse von älteren Menschen eingeht.? In den Einrichtungen der Diakonie wird nicht nur Pflege, sondern auch Seelsorge für ältere Menschen angeboten.



Die Altersgliederung der Bevölkerung in Baden-Württemberg wird sich weiter verändern, so das statistische Landesamt. Heute sind rund 20% der Einwohner unter 20 Jahren. Bis zum Jahr 2060 wird der Anteil dieser Altergruppe sich auf 16% verringern. Zahl der über 60-jährigen und älteren Menschen wird sich gegenläufig dazu entwickeln: 38 Prozent der Bevölkerung werden über 60 Jahre alt sein (heute sind es 24 Prozent). Das Durchschnittsalter wird von aktuell 42,2 Jahren auf 49,5 Jahre steigen. Als Ursache für diesen demografischen Wandel gibt das baden-württembergische statistische Amt die geringe Geburtenhäufigkeit und die steigende Lebenserwartung der Menschen an. Dieser Alterungsprozess werde durch eine stärkere Zuwanderung allenfalls abgebremst, nicht aber verhindert.

Die Veränderung in unserer Gesellschaft zieht viele Konsequenzen nach sich, geht aus dem Bericht des statistischen Amts weiter hervor. Die Zahl der hochbetagten Menschen wird weiter ansteigen. Innerhalb der nächsten drei Jahrzehnte dürfte sich ihre Zahl verdoppeln. Dann wären rund 470.000 Menschen in Baden-Württemberg über 85 Jahre alt. Heute sind es rund 257.000 Menschen.

Doch die Menschen leben nicht nur länger, sondern sind auch länger gesund. Deshalb sollte der Wandel auch als ?Chance für die Gesellschaft begriffen werden? meint Kessler dazu. ?Mehr Vitalität im Alter bedeutet auch, dass wir Menschen mehr offene und leicht erreichbare Angebote machen müssen, die sie fördern und ihre körperliche und seelische Gesundheit erhalten?, so der Fachmann weiter. Diese Erkenntnis wird auch von den Berechnungen des statistischen Landesamtes bestätigt. Aus der Gerontologie ist ebenfalls bekannt, dass ein 65-jähriger heute den Gesundheitszustand eines 58-Jährigen von vor 30 Jahren besitzt. Aufgrund dieser Erkenntnisse bedarf es einer Neudefinition des Altersbegriffs, so das Fazit des statistischen Landesamtes.