„Eine ganz andere Welt“

Führungskräfte engagieren sich im Pflegeheim

Das Programm Blickwechsel® bietet Führungskräften die Möglichkeit, die Berufsroutine für kurze Zeit zu verlassen und gezielt an der per­sönlichen Weiterentwicklung zu arbeiten. Sie tauchen in eine Lebens- und Arbeits­welt ein, die sich stark von der vertrauten Business-Umgebung unterscheidet. Beispielsweise in die Wirklichkeit eines Alten- und Pflegeheims. Dort arbeiten Führungskräfte aus der Wirtschaft aktiv in einer sozialen Einrichtung mit und lassen sich auf den Alltag vor Ort mit Haut und Haaren ein. Und zwar nicht in der Geschäftsführung, sondern bei der Arbeit von Mensch zu Mensch.

 

Das Projekt im Detail

Blickwechsel® – dahinter verbirgt sich mehr als der Blick auf die andere Seite des Lebens. Führungskräfte aus der Wirtschaft lassen sich mit Hilfe der gemeinnützigen Agentur mehrwert für einige Tage unter anderem in ein Alten- oder Pflegeheim richtiggehend „versetzen“. Dabei machen sie Erfahrungen, die verunsichern, bereichern, unter die Haut gehen sowie Werthaltungen und das Führungsverhalten verändern. So auch der Bosch-Manager Jürgen Peters, der eine Woche lang in einem Altenheim in Heilbronn mitgearbeitet hat.

Peters war beim Gedächtnistraining mit dabei, in der Beschäftigungstherapie und bei der Pflege. Er hat den alten Menschen auch selbst Essen gegeben. „Im Garten bin ich mit einer alten demenzkranken Dame spazieren gegangen. Sie redete Bruchstücke aus ihrer Vergangenheit. Unterwegs haben wir immer wieder angehalten und miteinander gesprochen. Ich hatte das Gefühl, dass ihr das gut tut, dass es ihr etwas bringt, auch wenn man nur miteinander redet. Und, sie hat immer zurückgelacht, wenn ich sie angelacht habe. Das war für mich schon etwas Besonderes, einem anderen Menschen etwas Gutes zu tun, zu merken, dass das nützlich ist. Das ist im Berufsalltag ja ganz anders.“

Der Bosch-Mitarbeiter hat dabei Dinge gesehen, die man normalerweise so nicht sieht. Hilfsbedürftige Menschen zu sehen, die nur noch im Bett liegen, das hat ihn schon sehr berührt. Als kommunikativer Mensch ist er auf das Personal und die alten Menschen offen zugegangen. „Das war mir im Vorfeld nicht so klar, dass das funktionieren würde. Ich hatte gedacht, das würde mir mehr Probleme bereiten.“ Nach dieser Erfahrung ist bei ihm die Angst vor dem Alter verschwunden, „denn ich habe beim Gespräch mit einer alten Dame gemerkt, dass sie trotz ihrer Demenz noch etwas mitbekommt“. Vieles lief auch über nonverbale Kommunikation. Es gab Reaktionen, Blickkontakte. Das war etwas sehr Positives. „In meinem Alltag im Unternehmen kann man den Menschen so etwas Gutes nicht einfach so tun. Auf der anderen Seite muss man auch akzeptieren, dass alte Menschen manchmal einfach keine Lust haben, etwas zu tun und auch das Recht darauf haben.“

Der Manager zeigt nach einer Woche Mitarbeit sehr zufrieden: „Alles in allem war es ein sehr schönes Gefühl, hier zu sein. Ich konnte mich in kurzer Zeit und ohne Vorkenntnisse gut einbringen. Was man aber auch ohne Vorerfahrung kann, ist, sich um Menschen zu kümmern, Spaß an den Menschen zu haben. Gerade wenn man überlegt, mit welchen Sachthemen man sich während der Arbeit oft beschäftigt, da ist es wichtig zu merken, dass es auch im Beruf andere wichtige Dinge gibt, beispielsweise Geduld zu haben und nett zu sein.“

 

Der Nutzen

Für soziale Einrichtungen und alte Menschen

  • Führungskräfte drücken ihre Wertschätzung für die hohe Professionalität in der Sozialen Arbeit und ihre Dankbarkeit darüber, dass es diese gibt, aus
  • Leitende Mitarbeiter sind Multiplikatoren, die andere mit der Idee des „Blickwechsels“ anstecken können
  • Führungskräfte tun alten Menschen durch ihre Präsenz und Achtsamkeit etwas Gutes
  • Es sind Menschen da, die sich Zeit nehmen zum Reden und für gemeinsame Aktivitäten

 

Für Unternehmen und ihre Mitarbeiter/innen

  • Führungskräfte lernen, großen Respekt und hohe Wertschätzung gegenüber einzelnen Menschen auszudrücken, unabhängig davon, was dieser kann und in welcher Situation er gerade ist
  • Profitieren von dem Konzept „Individuelle Förderung und konsequente Ressourcenorientierung“: In der Sozialen Arbeit wird darauf geschaut, was der Mensch kann und nicht darauf, was er nicht kann
  • Erfahrungen, die gut übertragbar sind auf die eigene Mitarbeiterführung und die innere Haltung verändern
  • Die Erkenntnis, dass es auch im eigenen Beruf andere wichtige Dinge gibt als nur das jeweilige Projekt –  beispielsweise Geduld zu haben, sich Menschen zuzuwenden und freundlich zu sein.
Ein Manager wendet sich freundlich lächelnd einer alten Dame zu.
 

Die beteiligten Institutionen

Agentur mehrwert

Die gemeinnützige Agentur mehrwert    versteht sich als Vermittlerin zwischen Wirtschaft und sozialem Sektor. Unter dem Motto „Lernen in fremden Lebenswelten“ organisiert sie Projekte, deren Kern die kurzzeitige Mitarbeit in einer sozialen Einrichtung bildet. Die Wurzeln der Agentur liegen in Kirche und Diakonie in Württemberg.

Unternehmen

Zu den Unternehmen, deren Führungskräfte am Lernprogramm Blickwechsel teilnehmen, gehören unter anderem Bosch, TRUMPF, Kärcher und diverse Kreditinstitute.

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