Wohlstand ist mehr als materieller Reichtum

 

Wohlstand - das ist mehr als materieller Reichtum. Zum Wohlstand gehört auch die soziale Ausgestaltung einer Gesellschaft. In einer guten Gesellschaft erfahren alle Kinder und Jugendlichen die nötige Unterstützung, damit sie ihren Weg ins Leben und in den Beruf finden. Mütter und Väter sollen Beruf und Familie in Einklang bringen können. Wer biografische oder berufliche Brüche erlebt, soll Rat und Unterstützung bekommen und nicht in Armut fallen. Jeder Mensch muss in Würde alt werden können und bei Bedarf gute Pflege erfahren. Niemand soll aus dem normalen Alltag ausgeschlossen werden, nur weil er oder sie behindert, arm oder zugewandert ist. Das macht die Lebensqualität einer Gesellschaft aus. 

Investitionen in den sozialen Bereich stärken  den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Sie sind in einem reichen Land wie dem unseren finanzierbar und volkswirtschaftlich sinnvoll. Manche Subventionen im Bundeshaushalt können gestrichen, Steuern auf besonders hohe Einkommen und große Vermögen angehoben werden. Dadurch werden soziale Dienstleistungen von Kindertagesstätten bis Pflegeheime  verlässlich und angemessen finanziert. 

Viele Menschen empfinden es als ungerecht, wie sich die Einkommensschere zwischen hohen Gehältern und Boni der einen und Niedriglöhnen der andern immer weiter öffnet. Das reichste Zehntel der Bevölkerung Deutschlands verfügt über 53 Prozent des Nettovermögens, die untere Hälfte nur über ein Prozent. Artikel 14 unserer Verfassung sagt klar und schlicht: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ 

Deshalb plädiert die Diakonie für eine gerechte und solidarische Gesellschaft, die sich am Gemeinwohl orientiert. Sie baut auf die biblische Erfahrung: „Der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein“ (Jesaja 32,17). 

  

Oberkirchenrat
Dieter Kaufmann
Vorstandsvorsitzender
Diakonisches Werk Württemberg