Württembergisches Wort zur Interkulturellen Woche 2013

„Wer offen ist, kann mehr erleben.“

„Wer offen ist, kann mehr erleben“ – so lautet das Motto der Interkulturellen Woche 2013, die vom 22. bis 28. September in diesem Jahr begangen wird. Offenheit lässt sich in vielen Formen von Gastfreundschaft, im Zusammenleben im Stadtteil, im geteilten Alltag in Schule und Beruf, in der Begegnung mit anderen Formen des Glaubens entdecken und erleben.

Wir sind dankbar dafür, dass sich in unserer Gesellschaft, in Kirche und Diakonie, viele Menschen im Dialog und im Miteinander mit Menschen verschiedener kultureller und religiöser Traditionen engagieren und so gemeinsam eine Gesellschaft in Vielfalt mitgestalten.

Rassismus und Rechtsextremismus entgegentreten

„Wer offen ist, kann mehr erleben“ – nicht alle Menschen schließen sich der Einladung und positiven Gestaltungskraft diesem Motto an. Mit großer Sorge betrachten wir gesellschaftliche und politische Entwicklungen, die statt Offenheit Abgeschlossenheit propagieren und die offen oder versteckt die Angst vor den Anderen schüren. Vorurteile und Ressentiments gegen Fremde reichen bis in die sogenannte Mitte unserer Gesellschaft. Mit aller Klarheit und Kraft widersprechen wir jeder Form rechtsextremen oder rassistischem Denkens und Handelns. Rassismus und Rechtsextremismus sind unvereinbar mit dem christlichen Glauben – die Würde des Menschen ist unteilbar, die Würde des Anderen ist Teil meiner Würde.

Als Kirche und Diakonie in Württemberg erkennen wir im diesjährigen Motto der Interkulturellen Woche in besonderer Weise unseren Auftrag, Fremde, Flüchtlinge und Geduldete und alle, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, zu schützen und für die Achtung ihrer Würde und ihrer Rechte einzutreten. Denn diese Würde hat jeder Mensch, sie ist nach unserer Überzeugung darin begründet, dass Gott die Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen hat.

Zuwanderung begrüßen und Flüchtlinge aufnehmen

Aktuell leben wir in einer Zeit zunehmender Zuwanderung nach Deutschland. Die Hintergründe liegen zum einen in den großen Fluchtbewegungen aus Syrien und weiteren Kriegs- und Bürgerkriegsregionen sowie in der Schuldenkrise in den Staaten Südeuropas.

Über direkte Kontakte und ökumenische Beziehungen wissen wir, wie schwierig die Lebensbedingungen in den EU-Krisenstaaten geworden sind. Von Armut betroffen sind besonders alte Menschen, Familien mit Kleinkindern und junge Menschen, die keine Perspektiven haben. Hinzu kommt eine Berichterstattung, die nicht selten pauschaliert und diffamiert. Darunter leiden die Menschen vor Ort wie auch die Angehörigen hierzulande. Als Kirche und Diakonie rufen wir zu einem achtsamen Umgang miteinander auf. Worte und Gesten können verletzen oder aufrichten und stärken – dies betrifft auch die täglichen Begegnungen im Stadtteil, in der Gemeinde, in der Schule und am Arbeitsplatz.

Ausdrücklich begrüßen wir die Entscheidung der Bundesregierung, Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen. Aufgrund der langjährigen und guten Verbindungen der Landeskirche zu syrischen Christen bewegt uns das Schicksal der Menschen dort ganz besonders. Wir dürfen und wollen vor der großen Not der syrischen Flüchtlinge nicht die Augen verschließen und engagieren uns  in der Unterstützung der Flüchtlinge vor Ort wie auch hierzulande.

Mit der Zusage Deutschlands zur Aufnahme ist in der EU die Debatte um die Aufnahme von Flüchtlingen neu eröffnet worden. Europa muss insgesamt weitaus größere Anstrengungen unternehmen, um die Nachbarstaaten Syriens zu unterstützen und seine Grenzen offen halten für Menschen auf der Flucht vor Krieg und Gewalt. Für Deutschland erhoffen wir uns mit diesem ersten Schritt den Einstieg in ein größer angelegtes Resettlement-Programm, das Flüchtlingen eine dauerhafte Ansiedlung ermöglicht, und die Besinnung darauf, dass Asyl in unserer Gesellschaft ein hohes Gut bedeutet.

Politik mitgestalten

Die diesjährige Interkulturelle Woche steht in zeitlicher Nähe zur Wahl des Deutschen Bundestages. Zusammen mit dem Gemeinsamen Wort der Kirchen zur Interkulturellen Woche 2013 appellieren wir an Politikerinnen und Politiker, sorgsam auf ihre Sprache im Wahlkampf und danach zu achten. Insbesondere darf die unteilbare Würde des Menschen nicht migrationspolitisch relativiert werden.

Die Wahlen zum Deutschen Bundestag geben uns die Möglichkeit, mitzuentscheiden über den Stellenwert des Sozialen in unserer Gesellschaft. Wir sind gefragt, in welcher Gesellschaft wir leben wollen. Als Kirche und Diakonie treten wir ein für eine Gesellschaft in Vielfalt und Offenheit.

Zwei Aspekte möchten wir dabei besonders benennen: seit langem fordern wir, dass junge Menschen, die hier aufgewachsen sind und ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland haben, keine Entscheidung zwischen der deutschen Staatsbürgerschaft und der ihrer Eltern treffen müssen. Die doppelte Staatsbürgerschaft fördert aus unserer Sicht Integration und stärkt das demokratische Bewusstsein.

In Kirche und Diakonie treten wir seit langem für eine stichtagsunabhängige Bleiberechtsregelung für Flüchtlinge, die schon lange hier leben, ein. Trotz verschiedener Bleiberechtsregelungen leben wieder Zehntausende sogenannter „Langzeitgeduldete“ in Angst vor einer Abschiebung. Sie brauchen eine echte Perspektive, um ihre Persönlichkeit entfalten und sich in die Gesellschaft einbringen zu können.

Die interkulturelle Woche – ein lohnendes Engagement

Die Interkulturelle Woche ist  ein lebendiges Zeichen dafür, dass wir uns auf einem Weg des guten Miteinanders befinden. Wir danken allen, die sich vor Ort einsetzen. Ein besonderer Dank geht dabei auch an die  Kirchenbezirksbeauftragten für Asyl und Migration in den 48 Kirchenbezirken unserer Landeskirche. 

Ihnen allen wünschen wir gute Begegnungen und Erfahrungen in der Interkulturellen Woche. Der Segen Gottes begleite Sie. 

 

Oberkirchenrat Prof. Dr. Ulrich Heckel           Oberkirchenrat Dieter Kaufmann

Evangelische Landeskirche in                        Diakonisches Werk Württemberg
Württemberg

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