Situation

Annähernd zehn Millionen Menschen mit einer anerkannten Behinderung leben in Deutschland. Dass Menschen mit Behinderung selbstverständlich und selbstbestimmt teilhaben können an den gesellschaftlichen Bereichen Wohnen, Arbeit, Bildung und Freizeit, ist noch eine Vision. Aber es ist eine, die mit dem Stichwort Inklusion umschrieben ist. Etwa 19 Prozent der Menschen mit einer Behinderung bestreiten ihren Lebensunterhalt durch eine Beschäftigung und Erwerbstätigkeit. Trotzdem ist der allgemeine Arbeitsmarkt weit davon entfernt, Menschen mit Behinderung eine Chance zu geben. Das Leistungsangebot der Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) bietet Teilhabe am Arbeitsleben. Bundesweit arbeiten rund 290.000 Frauen und Männer in rund 700 Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Dort bestehen Schnittstellen zum ersten Arbeitsmarkt durch Außenarbeitsplätze, Praktika, Qualifizierungsmaßnahmen u.a. Diese Werkstätten können individuell angepasste Arbeitsplätze anbieten – Inklusion kann somit nur gemeinsam mit den Werkstätten gelingen.

    

Beispiel

Herr A. hat als Mensch mit Behinderung den Berufsbildungsbereich erfolgreich durchlaufen und arbeitet seit vier Jahren auf einem Außenarbeitsplatz der WfbM in einem Hotel- und Gaststättenbetrieb. Er bezieht Erwerbsminderungsrente sowie Werkstattlohn und erledigt seine Aufgaben mit Engagement und Freude. Herr A. überlegt sich, ob er in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis wechseln soll. Er würde zwar über den Integrationsfachdienst weiter begleitet, jedoch läge sein Gehalt nur etwas oberhalb der Grundsicherungsgrenze. Herr A. würde bei einem Wechsel jedoch seinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente verlieren, ebenso den Anspruch auf eine Rückkehr in die WfbM. Herr A. ist unsicher, ob er den Anforderungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt dauerhaft gerecht werden kann.

 

Position der Diakonie

Alternativen zur Werkstatt eröffnen sich dann, wenn Menschen mit Behinderung ein durchlässiger  und flexibler Zugang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt ermöglicht wird. Es muss möglich sein, eine dauerhafte Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu nutzen, auch wenn dazu persönliche Assistenz langfristig nötig ist. Ein uneingeschränktes Rückkehrrecht  in eine WfbM muss gewährleistet sein. Sozialversicherungsrechtliche Regelungen, die bisher an einen Arbeitsplatz in der WfbM gebunden sind, müssen unabhängig vom Beschäftigungs- und Rehabilitationsort gelten. Beschäftigte in Werkstätten erwerben nach 20 Jahren ununterbrochener voller Beschäftigung in einer WfbM einen Anspruch auf Rente wegen voller Erwerbsminderung. Bei einem Wechsel auf den allgemeinen Arbeitsmarkt geht dieser Anspruch regelmäßig verloren. Das darf nicht sein. Ein dauerhafter Minderleistungsausgleich muss als Anreiz für Arbeitgeber geschaffen werden, Menschen mit einer Behinderung anzustellen.

 
 

 
 
 

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