Meldungen von 2012

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Mit allen Generationen engagiert für das Leben

Den Startschuss zur "Woche für das Leben" 2012 bildete ein Eröffnungsgottesdienst, den die Bischöfe July und Fürst im Deutschordensmünster St. Peter und Paul in Heilbronn feierten.

Stuttgart, 23. April 2012: „Wir sind angewiesen auf die Neugier der Kinder und die Weisheit des Alters“, betonte Landesbischof Frank Otfried July von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg beim Eröffnungsgottesdienst zur „Woche für das Leben“ am 22. April in Heilbronn. Die ökumenische Aktionswoche findet vom 21. bis 28. April statt und steht unter dem Motto „Engagiert für das Leben: mit allen Generationen“. Vor dem Gottesdienst stellten sich 15 generationenübergreifende Projekte auf einem bunten „Markt der Möglichkeiten“ im Gemeindehaus St. Peter und Paul in Heilbronn vor. Bei einem Generationenfrühstück am 20. April im Mehrgenerationenhaus in Stuttgart-Stammheim äußerten sich Bischof July und Bischof Gebhard Fürst von der Diözese Rottenburg-Stuttgart zum Zusammenleben der Generationen und der Rolle der Kirchen. „Viele neue Ansätze der Generationenbegegnungen sind in Kirchengemeinden entstanden. Wir Kirchen sind mit unseren Gemeinden wahrscheinlich die einzigen Organisationen, die an allen Orten vertreten sind“, erklärte July. Auch Bischof Fürst betonte die Wichtigkeit von Begegnungen zwischen den Generationen: „Es gilt, den Blick neu zu schärfen für Räume und Freiräume, in denen Menschen jeden Alters innerhalb der Gemeinde zusammenwirken können. Diese Räume müssen bewusst geschaffen und gepflegt werden.“ Beispiele, wie diese Räume aussehen könnten, präsentieren beide Kirchen im Internet.

Ein wichtiger Ansatz für Generationenbegegnungen seien Mehrgenerationenhäuser, wie Bischof July betonte: „In diesen Häusern werden Begegnungen zwischen den Generationen organisiert und institutionalisiert. Pflegebedürftige und Kinder begegnen sich bei Projekten wie gemeinsame Musik und Bewegung, Malgruppe oder Generationenfrühstück.“ Das Generationenhaus in Stammheim habe dabei erstaunliche Arbeit geleistet. „Die Erfahrungen zeigen, dass die gemeinsamen Veranstaltungen eine Bereicherung des Alltags sind“, sagte Frank O. July. „Die Älteren genießen es, wenn sie sich um Kinder kümmern können. Sie sind nach den gemeinsamen Aktivitäten fröhlicher und ausgeglichener.“ Beide Bischöfe bedauerten allerdings, dass es keine auf Dauer angelegte Finanzierungsgrundlage gebe. Die 85-jährige Frida Trostel bestätigte die positiven Seiten der Generationenhäuser: „Wenn man mit Kindern zusammen ist, lebt man ein bisschen auf.“ Die Bewohnerin des Mehrgenerationenheims hat ein Zimmer mit Blick auf die Kindertagesstätte. „Ich freue mich immer die Kinder draußen spielen zu sehen. Wenn ich mit ihnen zusammen bin, fühle ich mich wieder jung.“ Für den 8-jährigen Jan-Robin Engelmann, der die Tagesstätte im Generationenhaus besucht, sind gemeinsame Aktivitäten mit Senioren eine tolle Abwechslung: „Mir macht es sehr viel Spaß mit den Senioren zusammen zu sein. Deshalb will ich beim Malprojekt, beim gemeinsamen Frühstücken oder beim Singen immer mit dabei sein.“

Bischof Fürst stellte die gesellschafts- und sozialpolitischen Herausforderungen vor, die sich durch die immer älter werdende Gesellschaft ergeben. Dabei sei vor allem die Zerstörung der Lebensgrundlagen für kommende Generationen ein großes Problem. „Die gegenwärtigen Generationen, nicht nur die Älteren, leben auf Kosten der kommenden. Dies widerspricht auch dem in der Schöpfungsgeschichte formulierten Auftrag, „die Erde zu bebauen und zu bewahren“ (Gen 2,15). Deshalb sei die heutige Gesellschaft zu einem maßvollen Lebensstil herausgefordert, bei dem die Ressourcen verantwortlich genutzt und gesellschaftlicher Reichtum geteilt werden sollte, wie der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart betonte. „Wir dürfen Nachhaltigkeit allerdings nicht nur über den Umweltbereich definieren, sondern müssen auch hinterfragen ob wir uns im täglichen Leben nachhaltig verhalten. Immer weniger geborene Kinder bedeuten zum Beispiel auch immer weniger Pflegekräfte für die Zukunft“, ergänzte Fürst. Eine Herausforderung sei hier aber auch im Abbau der Verschuldung der öffentlichen Haushalte zu sehen. Parallel dazu sei in Deutschland der private Reichtum gestiegen und vermögende Personen seien steuerlich entlastet worden. Daneben müsse eine altersgerechte öffentliche Infrastruktur geschaffen werden, unter anderem mit barrierefreien Neubauten. Eine weitere Aufgabe sei der Einsatz gegen Kinderarmut. „Etwa jedes zehnte Kind unter 18 Jahren in Baden-Württemberg lebt laut einer Studie der Caritas unterhalb der Armutsgrenze“, sagte Fürst.

Vorhersagen von einem „Kampf der Jungen gegen die Alten“ hätten sich trotz aller langjährigen Befürchtungen nicht bewahrheitet, wie Bischof July erklärte. Laut der Shell-Studie 2010 sind 71 Prozent der Jungen und 81 Prozent der Mädchen überzeugt, dass man eine Familie brauche, um glücklich zu sein. Die Zustimmung ist in den letzten zehn Jahren um circa fünf Prozent gestiegen. „Unter Jugendlichen heute hat die Familie also sogar einen höheren Stellenwert als noch vor einigen Jahren“, so Landesbischof July. Auch Bischof Fürst betonte, dass der familiäre Generationenvertrag nach wie vor gelte. Er plädierte deshalb dafür, dass „der demografische Wandel als Chance für neue Altersbilder gesehen wird“. July sieht ebenfalls in dem Älterwerden der Gesellschaft eine Chance. „Lebenserfahrungen können so miteinander geteilt und Geschichten des Lebens und Erfahrungen weitergegeben werden.“ Damit dies gelingt, fordert er allerdings, dass ähnliche sozialpolitische Regelungen für die Freistellung von Angehörigen bei der Pflege eingeführt werden, wie es sie für die Erziehung der Kinder schon gibt. Beide Bischöfe betonten, dass es die zentrale Aufgabe unserer Gesellschaft sei, ältere Menschen unabhängig von ihrer Leistungsfähigkeit wertzuschätzen und jüngeren Menschen Zukunft zu eröffnen. „Ältere Menschen sind nicht nur Kostenfaktoren, obwohl sie in der Politik oft darauf reduziert werden“, erklärte Bischof Fürst.

Das Generationentheater LebensART aus Reutlingen ist ein Beispiel für eines der generationenverbindenden Projekte. Bei dem Projekt spielen Menschen von 14 bis 74 Jahren zusammen Theater. „Theaterspielen mit jüngeren Menschen macht einfach Spaß“, erklärte die 74-jährige Erika Hausecker aus Reutlingen, die beim Theater mitspielt. „Wenn ich auf der Bühne stehe, fühle ich mich jung und unglaublich gut danach. Die jungen Leute sind einfach lebendiger und reden nicht ständig über ihre Krankheiten, wie viele Menschen in meinem Alter.“ Die 48-jährige Sabine Jäger-Renner, Organisatorin der Theatergruppe, ergänzte: „Das Theaterspielen mit älteren Menschen ist sehr reizvoll – die bringen viel Lebensgeschichte mit und das hat eine besondere Qualität beim Spielen.“

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"Woche für das Leben"

Die "Woche für das Leben" wurde für Württemberg am 22. April in Heilbronn mit einem ökumenischen Gottesdienst eröffnet und dauert noch bis zum 28. April. Unter www.woche-fuer-das-leben.de/projekte    sind über 20 generationenverbindende Projekte aus Württemberg dargestellt.

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