Meldungen von 2013

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Beschäftigungsgutscheine für Langzeitarbeitslose

Diakonie und Evangelische Landeskirche legen neues Förderprogramm auf

 

Mit einem bundesweit einzigartigen Förderprogramm über Beschäftigungsgutscheine wollen Diakonie und Evangelische Landeskirche in Württemberg Langzeitarbeitslose in Arbeit bringen. Zunächst auf ein Jahr befristet, fördern sie Menschen ohne Aussicht auf einen Platz im ersten Arbeitsmarkt mit bis zu 500 Euro im Monat. Rund 70.000 aller in Baden-Württemberg gemeldeten Arbeitslosen zählen zu den Langzeitarbeitslosen. Dieser Anteil steigt trotz der wirtschaftlichen Entwicklung. Monat für Monat wird diese Entwicklung vom Diakonischen Werk Württemberg beklagt. 

Dessen Vorstandsvorsitzender, Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, wies bei der Vorstellung des Programms „Beschäftigungsgutscheine für langzeitarbeitslose Menschen“ darauf hin, dass dieses Programm keine öffentliche Förderung ersetzen könne. Trotz der günstigen Situation am Arbeitsmarkt bleiben Langzeitarbeitslose von Arbeit ausgeschlossen, weil sie aufgrund von Krankheit oder Behinderung nicht vermittelbar gelten. Die allermeisten können und wollen in beschränktem Umfang arbeiten und viele sind auf Zuverdienst zum Arbeitslosengeld II (Hartz IV) angewiesen. Doch anstatt ihnen Förderprogramme anzubieten haben, so Kaufmann„ habe die Bundesagentur für Arbeit die Mittel für Eingliederungsmaßnahmen für Arbeitslose von 2011 auf 2013 „rigoros um fast 50 Prozent gekürzt“. 

Hannes Finkbeiner, Geschäftsführer der Aufbaugilde Heilbronn, hat in seinem beschäftigungsunternehmen 80 Frauen und Männer ausgemacht, die spätestens ab dem 1. Januar nur noch zu Hause sitzen können. Wilhelmine H. ist eine von ihnen. Derzeit arbeitet sie an einem öffentlich geförderten Arbeitsplatz der Aufbaugilde. „Ich weiß, warum ich morgens aufstehe, und ich mache etwas, das nützlich ist“, sagt sie über ihre Arbeit. „Zu Hause fällt mir die Decke auf dem Kopf.“

Bertold G. arbeitet derzeit als Mediengestalter bei der Neuen Arbeit in Stuttgart. Als Zeichner und Grafiker ausgebildet, wurde seine Berufskarriere jäh durch epileptische Anfälle abgebrochen. Auch wenn er heute als gesund gilt, „mit 59 Jahren nimmt mich niemand mehr“, klagt er. 

Beide hoffen, dass die Arbeitshilfeeinrichtungen, bei denen sie jetzt tätig sind, eine evangelische Kirchengemeinde finden, die eine Art Patenschaft übernimmt. Diese Patenschaft ist für die Kirchengemeinden mit keinen Kosten verbunden. Vermittelt durch die württembergische Diakonie übernimmt den finanziellen Teil die Evangelische Landeskirche in Württemberg. Entweder wird damit ein Arbeitsplatz im Beschäftigungsunternehmen finanziert oder die Kirchengemeinde verwendet den Zuschuss aus dem Gutschein, um in der Gemeinde eine Stelle aufzustocken oder eine Ehrenamtspauschale zu bezahlen. Die über 50 diakonische Beratungsstellen könnten mit dem Beschäftigungsgutschein und Mitteln des Jobcenters auch beispielsweise einen langzeitarbeitslosen Mann als Fahrer im Tafelladen anstellen "und ihn so in seinem Selbstwertgefühl stärken", sagte Kaufmann. 

Zunächst hat die Landeskirche 500.000 Euro dafür zur Verfügung gestellt. Die Absicht ist, den Beschäftigungsgutschein mit weiteren Finanzierungsmöglichkeiten etwa des Jobcenters oder der Kommune zu kombinieren und so womöglich einen sozialversicherungspflichten Arbeitsplatz zu schaffen. Das werde, so Kauffmann, nicht immer gelingen. Gelingen werde aber, sagte Finkbeiner, „dass Personen, denen die Arbeitsverwaltung keine Chance mehr gibt, sinnvolle Tätigkeiten bekommen, die ihren Alltag erfüllen.“

 

 

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