Meldungen von 2013

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Langzeitarbeitslose sind die Verlierer

Diakonie fordert öffentlich geförderten Arbeitsmarkt
 

Stuttgart, 17. April 2013. „Wir als Diakonie fordern, dass die nächste Bundesregierung die Förderung von Langzeitarbeitslosen wieder auf die Agenda nimmt. Es kann nicht sein, dass diese Personengruppe durch alle Raster fällt“, so Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks Württemberg. In einem Pressegespräch hat er die Aktion „Pro Arbeit“, für Unterstützung von Langzeitarbeitslosen gestartet. Mit dieser Kampagne will sich die Diakonie in den Bundestagswahlkampf einmischen. „Finanzierung von Arbeit statt Arbeitslosigkeit!“ lautet das Motto der Kampagne, die sich für einen öffentlich geförderten Arbeitsmarkt einsetzt. Hannes Finkbeiner, Vorsitzender des Evangelischen Fachverbandes für Arbeitslosenhilfe und Geschäftsführer der Aufbaugilde, kritisiert scharf die Politik der Bundesagentur für Arbeit. „Die Mittel für die Förderung von Langzeitarbeitslosen wurden in den letzten Jahren immer mehr zusammengestrichen. Inzwischen mussten wir 66 Prozent unserer Plätze für Langzeitarbeitslose kürzen.“ 

Die Zahl der Arbeitslosen ging in den vergangenen Jahren erfreulich zurück. Nur die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist trotz boomender Konjunktur angestiegen. Bundesweit sind im März 2013 über eine Million Menschen bei den Jobcentern als Langzeitarbeitslose registriert und damit länger als ein Jahr ohne feste Arbeit. In Baden-Württemberg sind es circa 70.000. Wer lange Zeit arbeitslos ist, sieht für sich keine Perspektive mehr, kommt sich nutzlos vor, wird häufig krank. Darunter leidet die ganze Familie. Gleichzeitig wurden die Mittel für Eingliederungsmaßnahmen immer mehr zurückgenommen, in den letzten drei Jahren beinahe um 50 Prozent. Für Oberkirchenrat Kaufmann wird dadurch  auf den Rücken besonders benachteiligter Menschen gespart. „Es ist Aufgabe der Diakonie für die tätig zu werden, die sonst keine Chance haben. Deshalb setzen wir uns vor allem für diese Zielgruppe ein. Statt auf Sanktionen, die ein schwieriges Leben nur noch schwieriger machen, muss sich die Arbeitsmarktpolitik mehr auf eine Unterstützung von Langzeitarbeitslosen konzentrieren.“ 

Zusammen mit der Landeskirche ruft die Diakonie in einem Faltblatt dazu auf, für Langzeitarbeitslose tätig zu werden: „Diese Menschen benötigen unsere Hilfe und Solidarität. In diesem Faltblatt zeigen wir Möglichkeiten auf, wie Sie helfen und Einfluss nehmen können. Schicken Sie die angehängte Postkarte an die „Initiative Pro Arbeit“. Je mehr Stimmen die Initiative bekommt, desto größeres Gewicht hat Ihr Einsatz für langzeitarbeitslose Menschen, damit diese in Würde ihren Lebensunterhalt aus eigener Kraft selbst verdienen können“, so heißt es in dem Flatblatt, das von Landesbischof Dr. h.c. Frank Otfried July und Oberkirchenrat Dieter Kaufmann unterschrieben ist. Ziel ist, mindesten für 100.000 Langzeitarbeitslose öffentlich geförderte Arbeitsplätze zu schaffen. Die Diakonie hat dazu ein Modell angeboten, das die Finanzierung von Arbeit nicht teurer macht als die Finanzierung von Arbeitslosigkeit. Statt passiven Leistungen für Alimentierung und Grundsicherung sollten diese Gelder für eine aktivere Arbeitsmarktförderung genutzt werden. Mit diesem Passiv-Aktiv-Transfer hat die öffentliche Hand zusätzliche Einnahmen von 330 Millionen Euro. Die Freigabe von Beschäftigungsmaßnahmen für alle Arbeitgeber und die Möglichkeit zur Teilnahme am allgemeinen Markt ist ein weiteres Ziel, welches die Diakonie und die Evangelische Landeskirche mit „Pro Arbeit – für öffentlich geförderte Beschäftigung“ erreichen wollen. 

Denn heute wird die Hilfe für Langzeitarbeitslose immer mehr eingeschränkt: „Beschäftigungsfirmen, die seit über zwei Jahrzehnten eine Infrastruktur aufgebaut haben, sind zusammen gebrochen“, erklärt Hannes Finkbeiner. „Die Eingliederungsmittel wurden durch die Instrumentenreform als ihre politische Fassade halbiert. Diakonische Träger mussten dadurch qualifiziertes Regiepersonal entlassen!“ Auf der Strecke bleiben dadurch die Langzeitarbeitslosen, die keine Förderung mehr bekommen können und nur noch als Bezahlkunden geführt werden. Wie zum Beispiel Petra H., die seit 1994 von Maßnahme zu Maßnahme geschickt wurde. „Weil ich meinen Vater bis zu seinem Tod gepflegt habe, konnte ich mir keine Qualifikationen aneignen.“ Auf einen Bandscheibenvorfall folgte eine Operation. Wegen ihrer Rückenprobleme und weil sie keine Ausbildung gemacht hat, hat sie keine Anstellung auf dem 1.Arbeitsmarkt gefunden. Sie kann nur zeitweise bei der Aufbaugilde in einem Lager für Spielzeugbagger arbeiten.
Wilfried M., der einen der letzten öffentlich geförderten Dauerarbeitsplatz ergattern konnte, hat Glück gehabt. Mit 54 Jahren, einer Kindheit im Osten und einem Bandscheibenvorfall hatte er schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Als er arbeitslos wurde, hatte er sich 150-mal beworben ohne jeglichen Erfolg. Zufällig hat er Kontakt zum Sozialunternehmen Neuen Arbeit bekommen, hat dort mit einem Ein-Euro-Job begonnen. Seit 2011 arbeitet er nun  auf einen unbefristeten öffentlich geförderten Arbeitsplatz. Er hofft bis zur Rente dort bleiben zu können. „Ich weiß wieder, wofür ich morgens aufstehe. Ich kann selber wieder meine Steuern und Sozialabgaben bezahlen. Ich bin wieder ein freier Mensch!“

 

Pressemappe zum downloaden

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