Brot für die Welt: Statement von Oberkirchenrat Dieter Kaufmann

„Satt ist nicht genug! – Zukunft braucht gesunde Ernährung“


Eröffnung der 58. Aktion Brot für die Welt für Baden-Württemberg

Stuttgart, 24. November 2016. Am kommenden Samstag eröffnen wir zusammen mit der Landesstelle Brot für die Welt des Diakonischen Werks Baden die 58. Aktion Brot für die Welt für Baden-Württemberg unter dem Motto „Satt ist nicht genug! – Zukunft braucht gesunde Ernährung“.

Die Diakonischen Werke Württemberg und Baden engagieren sich als jeweilige Landesstelle Brot für die Welt sehr bewusst auch weltweit für Menschen in Not. Weil der Geist Gottes uns über alle Grenzen hinweg verbindet, übernehmen wir füreinander weltweit Verantwortung. In diesem Geist tun wir sehr viel für hilfebedürftige Menschen hier bei uns und für die anderen Notleidenden in der Welt. Dazu gehört unter anderem die finanzielle Unterstützung von Projekten der Aktion Brot für die Welt: In unseren evangelischen Kirchengemeinden in Baden-Württemberg ist das Opfer in den Gottesdiensten an Weihnachten traditionell für Brot für die Welt bestimmt. Darüber hinaus erhalten wir Einzelspenden und freuen uns über die guten Ergebnisse in unserem Bundesland. Aus Württemberg hat unser Bundesverband Brot für die Welt im vergangenen Jahr Mittel aus Spenden und Gottesdienstopfern in Höhe von mehr als 7,8 Millionen Euro, aus Baden über 4,1 Millionen Euro erhalten. Bundesweit haben Spenderinnen und Spender die Arbeit von Brot für die Welt im vergangenen Jahr mit 57,5 Millionen Euro unterstützt. Das sind 1,8 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.

Das Motto „Satt ist nicht genug!“ macht darauf aufmerksam, dass sich alle Menschen gesund ernähren könnten, wenn wir die reichen Gaben der Schöpfung gerecht verteilen würden. Das Motto mag verwundern. Denn jeder achte Mensch hungert. Und alle Menschen satt zu bekommen, wäre doch ein sinnvolles Ziel – so könnte man meinen. Aber: Weltweit ist jeder dritte Mensch mangelernährt. Zwei Milliarden Menschen leiden am „stillen Hunger“: Ihnen fehlen die für ein gesundes Leben wichtigen Vitamine und Nährstoffe – mit schwerwiegenden Folgen. Besonders gravierend wirkt sich das bei Kindern aus. Sie bleiben im Wachstum zurück und sind anfällig für Krankheiten. Erhält ein Kind ab Eintritt der Schwangerschaft bis zum zweiten Geburtstag nicht ausreichend Kalorien und Nährstoffe, kann seine körperliche und geistige Entwicklung unwiederbringlich beeinträchtigt werden. Die Veranlagung für Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Schwäche wird schon im frühen Kindesalter durch fehlende Kalorien oder Nährstoffe gegeben. Langfristige Schäden wie Blindheit, Lernbehinderungen oder Blutarmut können bis ins Erwachsenenalter reichen. Auch die Sterblichkeit kann sich erhöhen. Deshalb kommt der Versorgung mit gesunden Lebensmitteln eine Schlüsselrolle zu.

Daran haben Frauen einen entscheidenden Anteil. Denn verschiedene Studien belegen: Wenn Frauen mitentscheiden können, wofür das Familieneinkommen eingesetzt wird, steigert sich die Überlebenschance von Kindern um bis zu 20 Prozent. Wenn Frauen in der Schwangerschaft und Stillzeit gesund sind, wirkt sich dies direkt auf die intellektuelle und körperliche Entwicklung von Kindern aus. Im Weltagrarbericht heißt es: „Oft sind es Frauen, die das Wissen über Wert und Nutzen lokaler Pflanzen und Tiere für Ernährung, Gesundheit und Einkommen als Familienversorgerinnen, Pflanzensammlerinnen, Kräuterspezialistinnen, Saatguthalterinnen und Züchterinnen haben. Ihre Experimente und Anpassungsversuche mit einheimischen Arten machen sie oft zu Expertinnen für pflanzengenetische Ressourcen.“

Ein Beispiel für ein solches Frauen-Projekt von Brot für die Welt, das wir in Württemberg begleiten, ist aus Mosambik. Ich freue mich sehr, dass Helena Novaela und Abdorazaque Muinde nach Stuttgart gereist sind und uns gleich von ihrem Engagement für Frauen berichten. Die Partnerorganisation OLIPA-Odes unterstützt Bäuerinnen und Bauern dabei, Genossenschaften zu gründen. Die meisten Erdnussproduzenten in Nampula sind Frauen. Die Partnerorganisation fördert Frauengruppen besonders. Das Ziel ist, dass die Frauengruppen als unabhängige Kooperativen eingetragen werden. Dann entscheiden die Frauen selbst über die Arbeitsorganisation und die Verwendung ihrer Gemeinschaftseinkommen. Als Kooperative können sie Kredite erhalten. OLIPA schult Frauen außerdem dafür, dass sie Leitungsfunktionen in Kooperativen und Vereinen übernehmen können, denn der Konkurrenzdruck durch große private Unternehmen ist hoch. OLIPA berät zu allen Fragen des Anbaus. Die Bäuerinnen lernen, einen Überblick über Kosten zu bekommen und kostendeckende Preise zu kalkulieren sowie Abnehmer zu finden, die die Waren zu den errechneten Preisen kaufen.

Damit Lebensmittel für uns und andere gesund sind, muss die Politik in Deutschland und Europa Verantwortung für die internationalen Folgen agrarpolitischer Entscheidungen übernehmen. Ebenso gilt es, die Ernährungssouveränität anderer Länder zu respektieren und sie dabei unterstützen, sich langfristig selbst ernähren zu können. Die europäischen Lebensmittelexporte gefährden in vielen Ländern die Ernährungssouveränität. Zudem beruht die Überproduktion in Europa auf der Einfuhr von Futtermitteln und Agrarrohstoffen aus Entwicklungs-und Schwellenländern. Deren Anbau führt dort zu Landkonflikten, Menschenrechtsverletzungen und dem Verlust der biologischen Vielfalt.

Es gilt, weltweit kleinbäuerliche Landwirtschaft und Kleinfischer verlässlich und nachhaltig zu fördern. Kriterien, an denen sich die Förderung orientieren muss, sind Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Erhalt von Artenvielfalt, Pflege von Kulturlandschaften und der Erhalt nachhaltiger, regionaler Strukturen. Dafür sollten die EU und ihre Mitgliedsstaaten mindestens zehn Prozent ihrer Entwicklungsetats zur Verfügung stellen. Die Agrarforschung muss viel stärker die Förderung der kleinbäuerlichen Produktion in den Blick nehmen. Die Landwirtschaft muss Menschenrechte und Tierschutz umsetzen. Dazu gehört auch, Ressourcenschutz, Klimaschutz, Tierschutz und den Schutz biologischer Vielfalt zu fördern.

„Satt ist nicht genug.“ Dieses Motto sagt auch, dass es darum geht, Menschen zu befähigen. Sie sollen es schaffen, eigenständig für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Brot für die Welt steht für die Hilfe zur Selbsthilfe. Deshalb fördert Brot für die Welt Bildung. Auch die Stärkung der Demokratie, die Achtung der Menschenrechte, die Sicherung des Friedens sowie die Bewahrung der Schöpfung sind Themen von Brot für die Welt.

Die Aktion Brot für die Welt in Württemberg zu stärken, ist uns wichtig. So ist beispielsweise unser Brot-Mobil im ganzen Land unterwegs. Dort gibt es guten Espresso sowie Gesprächs- und Mitmach-Angebote zur Arbeit von Brot für die Welt. Brot-Botschafter halten den Gedanken der Entwicklungszusammenarbeit in unseren Kirchengemeinden lebendig. Gemeinsame Aktionen mit der Bäckerinnung verbinden Brot und Brot für die Welt in kreativer Weise, beispielsweise beim Brot-Lauf der Bäcker.

Pressemitteilung zur Eröffnung der 58. Aktion   

Statement von Pfarrer Volker Erbacher   

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