Pilotprojekt „Ausbildung zur/m Altenpfleger/in für Flüchtlinge“: Statement Oberkirchenrat Dieter Kaufmann

Pilotprojekt: Flüchtlinge bekommen Ausbildungsverträge zur Pflegefachkraft.


Stuttgart, 15. Juli 2016. Menschen, die nach Deutschland geflüchtet sind, können ab Herbst bei der Diakonie eine Ausbildung in der Altenpflege absolvieren. Das Diakonische Werk Württemberg hat dafür zusammen mit der Samariterstiftung Nürtingen und dem Welcome Center Sozialwirtschaft Baden-Württemberg ein Pilotprojekt entwickelt. Eine doppelte Zielsetzung hat uns dabei geleitet: Zum einen wollen wir neue Wege beschreiten, um Menschen, die bei uns Zuflucht und Heimat suchen, eine berufliche Perspektive eröffnen. Und zum anderen wollen wir damit den Mangel an Fachkräften in der Sozialwirtschaft – und besonders in der Altenpflege – reduzieren. Bei unserem vielfältigen Engagement für Flüchtlinge lassen wir uns leiten von der Aufforderung im 3. Buch Mose, „dass der Fremde bei euch wie ein Einheimischer gilt“.

Das Statistische Landesamt hat errechnet, dass wir in Baden-Württemberg 2030 rund 35 Prozent mehr Pflegebedürftige haben werden als heute, nämlich über 400.000. Bis im Jahr 2050 könnten es sogar 93 Prozent mehr sein und damit rund 580.000 Pflegebedürftige. Der Bedarf an Menschen, die in der Altenpflege tätig sein werden, ist entsprechend hoch. Denken wir auch daran, dass heute die Babyboomer-Generation in der Pflege beschäftigt ist, die dann das Rentenalter erreicht haben und selbst zunehmend pflegebedürftig sein wird. Eine gezielte Zuwanderungspolitik, die Menschen aus anderen Ländern und Kulturen als Fachkräfte für den Pflegeberuf gewinnen will, ist eine der Maßnahmen, dem entgegenzuwirken.

Es ist daher sinnvoll, geflüchtete Menschen, die in unserem Land eine neue Heimat suchen, an das Berufsfeld der Altenpflege heranzuführen. In einem integrierten Konzept ermöglichen wir ihnen Sprachförderung und eine gesellschaftliche und berufliche Integration. Die Integration von geflüchteten Menschen ist eine wichtige Aufgabe, der wir uns als Diakonie stellen. Im vergangenen Jahr sind rund 100.000 Flüchtlinge nach Baden-Württemberg gekommen. Bis Ende Mai sind es in diesem Jahr 34.000 Menschen gewesen, von denen 21.000 einen Asylantrag gestellt haben. An diesen Zahlen wird deutlich, vor welchen Herausforderungen wir als Gesellschaft stehen, um jedem Einzelnen dieser Schutzsuchenden gerecht zu werden.

In der Altenpflege haben wir sehr komplexe Anforderungen. Interessierte und gleichzeitig geeignete Flüchtlinge ausfindig zu machen, war daher im Pilotprojekt ein elementarer Prozess. An diesem waren viele Personen beteiligt. Es galt nicht nur, Sprachbarrieren zu überwinden. Wir haben unser Projekt zum Beispiel bei ehrenamtlich Mitarbeitenden in den Arbeitskreisen Asyl vorgestellt. Die Sozialbetreuerinnen und Sozialbetreuer in den Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge haben viele Interessenten auf unser Projekt aufmerksam gemacht. Die Sozialbetreuer haben dabei einen guten Blick dafür gehabt, wer sich für einen Sozialberuf eignet und die besonderen Interessen mitbringt, die für die Arbeit in der Altenpflege nötig sind. Sehr dankbar bin ich auch für die gute Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen in den Landkreisen sowie den entsprechenden Regionaldirektionen der Bundesagentur für Arbeit und der Job Center.  

Heute haben wir eine wichtige Etappe auf diesem Weg erreicht. Zehn Menschen von Anfang 20 bis Anfang 40 bekommen die Zusage für einen Ausbildungsplatz ab Herbst 2106. Die Damen und Herren bringen unterschiedliche Lebenserfahrungen und Prägungen mit. Zum Teil haben sie eine lange und gefährliche Flucht hinter sich. Es sind Menschen, die in Deutschland ein neues Leben in politischer und wirtschaftlicher Freiheit suchen und sich in einem sicheren Umfeld eine eigene Existenz aufbauen möchten. Und es sind Menschen, die hochmotiviert sind und mit Freude in der Altenpflege arbeiten möchten.

Das wissen sie, denn im Auswahlverfahren und der Ausbildungsvorbereitung haben sie das Berufsbild der Altenpflegerin/des Altenpflegers schon konkret kennengelernt. Sie haben hospitiert. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen Deutsch auf Sprachniveau A2. Drei aus diesem Kreis erreichen sogar das Niveau B2.

Die Auszubildenden haben sich gut vorbereitet und auch so manche bürokratische Hürde genommen. Teils sind Zeugnisse und wichtige Dokumente nicht vorhanden und können auch nicht wieder beschafft werden. Hier müssen Lösungen gefunden werden, damit den Einzelnen daraus kein Nachteil entsteht.

Für Auszubildende und Ausbildungsbetriebe schafft das Integrationsgesetz Rechtssicherheit. Auszubildende mit ungeklärtem Status erhalten für die gesamte Ausbildungszeit eine Duldung. Darüberhinaus besteht die Möglichkeit, im Ausbildungsberuf zu arbeiten. Dafür bekommen sie die Aufenthaltserlaubnis.

Ich freue mich, dass wir es als Diakonisches Werk Württemberg zusammen mit der Samariterstiftung Nürtingen und dem Welcome Center Sozialwirtschaft Baden-Württemberg bis hierher geschafft haben und bedanke mich bei allen Beteiligten für ihren Einsatz, mit dem sie dieses Projekt bis hierher gebracht haben – und damit einen wichtigen Beitrag leisten, Menschen, die bei uns Schutz suchen, zu einem menschenwürdigen Leben zu verhelfen.

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