Demenz
Wie verändern sich Menschen mit Demenz?
Gedächtnisstörungen zeigen sich zu Beginn der Krankheit eher daran, dass die Fähigkeit, neue Informationen zu lernen, immer mehr abnimmt. Im weiteren Verlauf geht auch früher Erlerntes verloren, nach dem umgangssprachlichen Vergessens-Prinzip „first in, last out“. „First in“ heißt, dass uns Informationen, die wir schon sehr lange gespeichert haben, auch am längsten erhalten bleiben. Während umgekehrt die Information, die „last in“, die zuletzt ins Gehirn kam, auch als erste wieder verloren geht: „First out“.
So nimmt die Leistungsfähigkeit des Erkrankten stetig ab. Seine Leistungsfähigkeit entspricht zu Beginn einem Erwachsenen, nachfolgend einem Jugendlichen und gegen Ende einem Kind bis hin zur Leistungsfähigkeit eines Säuglings. Hilfebedarf und sozialmedizinische Konsequenzen nehmen entsprechend proportional zu. Der Krankheitsverlauf ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, man kann jedoch im Allgemeinen drei Stadien feststellen, die ineinander übergehen. Die Krankheit dauert im Schnitt von den ersten Anzeichen, die der leichten Demenz entsprechen, bis zum Tod sieben Jahre. Den ersten augenscheinlichen Anzeichen geht oftmals eine mehrjährige Phase des MCI (leichte kognitive Beeinträchtigung) voraus. MCI entwickelt sich innerhalb von sieben Jahren bei 80% der Betroffenen zu einer Demenz. Die Veränderungen der Gedächtnisleistungen, der Alltagsfähigkeit und der sozialen Fähigkeiten beginnen also bereits vor dem eigentlichen Demenzstadium.
Im Stadium 1 (leicht) treten kleinere Gedächtnislücken und oftmals eine gedrückte, verunsicherte Stimmung auf, die Lern- und Reaktionsfähigkeit nimmt ab, leichte Wortfindungsstörungen und Wortflüssigkeitsstörungen (die Betroffenen benutzen einfache Worte und kurze Sätze oder stocken mitten im Satz und verlieren den Faden) sowie ein beeinträchtigtes Orientierungsvermögen tauchen auf. Die Veränderungen werden bewusst wahrgenommen, meist treten Reaktionen wie Verleugnung, bzw. Verharmlosung der Beeinträchtigungen auf. Insofern lässt sich auch die mangelnde Krankheitseinsicht der Betroffenen erklären.
Im Stadium 2 (mittel) werden die Symptome ausgeprägter. Eine hochgradige Vergesslichkeit paart sich mit Einschränkungen im analytischen Denken, Erkennen von Zusammenhängen und Planen von Handlungsabläufen. Auf Beruf und Autofahren muss spätestens jetzt verzichtet werden. Die Betroffenen sind bei Alltagsaufgaben, wie Körperpflege oder Nahrungsaufnahme, immer mehr von der Unterstützung anderer Personen abhängig. Selbst nahe Verwandte können nicht mehr namentlich benannt werden, zeitliche und örtliche Orientierung auch in vertrauter Umgebung und das Sprachverständnis sowie das Sprechen an sich ist zunehmend gestört (die Sprache wird floskelhaft und inhaltsleer). Die Erkrankten können ihre Gefühle kaum noch steuern, plötzliche Stimmungswechsel, Aggressionen, Depressionen und Unruhestände treten verstärkt auf. Ein Drittel der Betroffenen leiden in dieser Phase unter Wahnabbildungen und Wahrnehmungsstörungen.
Im letzten Stadium 3 (schwer) sind alle psychischen und kognitiven Funktionen bis zu ihrem Erlöschen betroffen. Die Orientierung zur eigenen Person und wichtige biografische Schlüsselerlebnisse gehen verloren. Der Betroffene ist vollständig auf Pflege und Betreuung anderer angewiesen. Selbst die engsten Bezugspersonen werden nicht mehr erkannt, eine verbale Verständigung ist unmöglich. Die Sprache entspricht mehr einem „Nachlallen“ von vorgesprochenen oder gehörten Wörtern und Sätzen ohne inhaltlichem oder situativem Zusammenhang. Körperliche Symptome wie Gangunsicherheit, Schluckstörungen, Harn- und Stuhlinkontinenz und Krampfanfälle treten vermehrt auf. Gangunsicherheit endet oft in Oberschenkelhalsbrüchen und Schluckstörungen äußern sich meist erst durch Lungenentzündungen. Bettlägerigkeit folgt der Steh- und Gehunfähigkeit, welche die Gefahr von Infektionen erhöht. Die Kranken sterben häufig an einer Lungenentzündung oder anderen Infektionskrankheiten. Trotzdem bleiben die Erkrankten bis in weit fortgeschrittene Stadien für nonverbale Kommunikation empfänglich und können z.B. Konflikte wahrnehmen und darunter leiden ebenso wie sie positive Emotionen anstecken können.
