Diakonie im Sozialstaat

Drucker Druckansicht

System sozialer Sicherheit

Die Gemeinschaft aller Bürger hat dafür zu sorgen, dass Schwache und Benachteiligte nicht zu kurz kommen und Lebenskrisen, die jeden treffen können, zumindest materiell abgesichert sind. Dazu wurde ein System sozialer Sicherheit geschaffen, zu dem alle Bürgerinnen und Bürger durch ihre Beiträge zur Sozial- und Krankenversicherung und durch ihre Steuerabgaben beitragen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entsprach es dem Selbstverständnis unserer Demokratie, dass die Gesellschaft aus sich heraus Kräfte der Hilfe und der Selbsthilfe entwickelt. Dem hilfebedürftigen Bürger soll keine Einheitshilfe verordnet, sondern eine Vielfalt von Hilfen angeboten werden. Zumindest im gegebenen Rahmen soll ihm ein Wahlrecht erhalten bleiben: Er soll entscheiden können, von wem er sich helfen lässt. Er soll Vertrauen zu den helfenden Institutionen und den Helfern haben. Dieses Prinzip der Subsidiarität, das das Verhältnis zwischen freier und staatlicher Wohlfahrt beschreibt, ist eine Konsequenz aus der nationalsozialistischen Einheits-Sozialarbeit.

Seit Anfang der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts haben sich die Rahmenbedingungen für diakonische Arbeit erheblich verändert. Der Staat versucht immer mehr Einfluss auf den Gestaltungsspielraum zu nehmen. Er engt zum einen durch Vorschriften die Arbeit ein, zum anderen wird mehr Markt und freier Wettbewerb gefordert. So hat zum Beispiel die Einführung der Pflegeversicherung zur Zunahme der Konkurrenz bei der stationären und ambulanten Altenhilfe geführt. Diese Forderung nach mehr Markt wird von den diakonischen Einrichtungen durchaus begrüßt. Die diakonischen Einrichtungen haben sich schon immer auf die Nachfrage ausgerichtet und arbeiten mit modernen Managementmethoden.

Konkurrenz braucht die freie Wohlfahrtspflege deshalb nicht zu fürchten. Marktwirtschaft als alleiniges Orientierungsmuster für die Gestaltung des Sozialen verengt aber den diakonischen Auftrag und kann zu einem Mehrklassensystem führen. Die Diakonie hält deshalb daran fest, dass soziale Hilfen auf den Nutzen des Empfängers ausgerichtet sind und soziale Gerechtigkeit sowie soziale Sicherheit garantieren. Sonst drohen soziale Verarmung und der Verlust der Partnerschaft zwischen öffentlicher und freier Wohlfahrt.

Die Reformen zu Beginn des 21. Jahrhunderts haben die Situation verändert und teilweise verschärft. Die eingeführten Grundsicherungen sind nicht armutsfest. Dies trifft vor allem für das Arbeitslosengeld II im Zuge der Reform „Hartz IV“ zu. Die Folge ist, dass immer mehr Menschen in Armut geraten. Ein großer Einschnitt war die Verwaltungsstrukturreform in Baden-Württemberg. Die Zuständigkeiten für Behinderten- und Wohnungslosenhilfe wurden auf die Landkreisebene verlagert. Für die Behindertenhilfe bietet dies die Chance, dass die Hilfesysteme vor Ort besser vernetzt und auch für behinderte Menschen nutzbar gemacht werden können. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, dass in Baden-Württemberg die sozialen Verhältnisse von Landkreis zu Landkreis variieren.

Pfeil nach links zurückweiter Pfeil nach rechtsPfeil nach oben nach oben
  • Torrentdownload Yesterday
  • Limetorrents Movies
  • Limetorrents Applications