Vesperkirchen laden ein

 „Und der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein." (Jesaja 32,77)

Im vergangenen Jahr sind viele Flüchtlinge zu uns gekommen. Sie suchen Rettung, Schutz, Geborgenheit und Frieden. Viele Gründe haben zur Preisgabe ihrer Heimat geführt: Krieg, Zerstörung und Katastrophen. Viele besitzen nichts mehr. Sie sind arm an Geld, arm an Zuwendung und arm an Rechten. Sie sind gekommen in der Hoffnung auf Mitmenschlichkeit und Solidarität.

In unseren Vesperkirchen begegnen sich seit je her Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebenssituationen und Lebensgeschichten. Menschen, die materiell arm sind, aber auch arm an Träumen, an Glauben, an Hoffnung, an Liebe und an Friede. Und Menschen, die reich sind, reich an Gaben, an Engagement, an Kraft, an Mut. Aber wer ist arm und wer ist reich? Mal sind wir selbst reich und können teilen: unser Brot, unsere Liebe, unsere Hoffnung, unsere Stärke. Mal sind wir selbst arm und bedürfen der Zuwendung, des Trostes, der Gemeinschaft, des Friedens.

In den Vesperkirchen sind alle willkommen, sitzen gemeinsam an einem Tisch, sind Gebende und Nehmende. Die Vesperkirchen können die Armut nicht abschaffen oder die Ungerechtigkeiten in der Welt beseitigen. Aber sie können Hoffnung schenken, Teilhabe ermöglichen und Begegnung schaffen. „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan" (Matthäus 25,40) sagt Jesus im Gleichnis vom Weltgericht, darin ausdrücklich auch: „Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen." Jeder soll zu seinem Recht als Mensch kommen. Und auf diesem Tun des Gerechten liegt die Verheißung des Propheten, dass daraus Frieden wächst.

Allen, die diese Begegnungen ermöglichen, gilt unser herzlicher Dank: Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Vesperkirchen, den Spenderinnen und Spendern, den Sponsoren und den zahlreichen Gästen. Und allen wünschen wir die Erfahrung des Willkommenseins, frohe Begegnungen und dass der Friede Christi spürbar wird.

Dezember 2015

 

   

Dr. h. c. Otfried July
Landesbischof der
Evang. Landeskirche in Württemberg

Oberkirchenrat
Dieter Kaufmann
Vorstandsvorsitzender des
Diakonischen Werks Württemberg

 

 

Belebtes Mittagessen mit vielen Menschen in einer Vesperkirche
 
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