Sprachen als Brücken zu Projektpartnern

© Dana Balanová, Diakonie der EKAB Slowakei

Dana Balonová berichtete in einem Interview mit unserer Praktikantin Lydia Schwörer über ihre Arbeit bei der Diakonie in der Slowakei, über Projekte, wie wichtig Sprachkenntnisse sind und ihre Hoffnungsvisionen für die Zukunft.

Seit wann arbeitest du für die Diakonie in der Slowakei und was sind deine Tätigkeitsfelder?
Seit September 2019. Zum Zeitpunkt des Interviews sind es ein Jahr und drei Monate. Ich bin in zwei Abteilungen tätig: im Referat der ausländischen und ökumenischen Beziehungen und teilweise im Referat der humanitären Arbeit. Meine Hauptaufgabe ist es, die Partnerschaften im Ausland zu pflegen und aufzubauen. Ich bin eine von wenigen, die in der Diakonie Deutsch sprechen. Ich versuche dort zu helfen, wo Deutsch notwendig ist. Meine Abteilung war vorher für längere Zeit nicht besetzt. Am Anfang meiner Tätigkeit habe ich versucht herauszufinden, wer die aktiven Partner aus dem Ausland sind, welche Kommunikation unterbrochen wurde, um sie wieder aufzunehmen.

Im Oktober 2019 konnte ich zum 20. Jahrestag der polnischen Diakonie nach Polen fahren, wo ich viele interessante Menschen kennenlernen durfte. Diese waren z. B. vom DWW und von Eurodiakonia. Das war meine erste Gelegenheit unsere Partner kennenzulernen. Im Generalbischofsamt hatte ich zweimal die Möglichkeit zu dolmetschen. Außerdem habe ich auch für unsere Einrichtung mehrere Texte übersetzt. Anfang des Jahres hatten wir eine Delegation, u.a. mit Herrn Kaufmann, eingeladen. Ich war intensiv mit der Vorbereitung und Realisierung dieses Treffens beschäftigt. Im März war ich bei der Drei-Kirchen-Partnerschaft, u.a. mit Pétur Thorsteinsson und Vertretern aus Mitteldeutschland dabei.

Zu meinen Aufgaben gehört auch die Administration der Facebook-Seite unter dem Namen „Evanjelická diakonia“. Sie war meine Idee und existiert seit März dieses Jahrs. Ich hatte auch mehrere neue Begegnungen geplant, welche jedoch wegen Corona alle abgesagt wurden.

Gibt es ein Projekt, an das du dich besonders gern erinnerst?
Mehrere Projekte werden mit dem DWW koordiniert und mit Hilfe der DKH finanziert. Wir haben es auch geschafft, ein Projekt in der Slowakei zu bekommen. So konnten wir unterschiedliche Desinfektions- und Schutzmittel kaufen. Ein weiteres Projekt war das Lesen von Märchen für Senioren. Die Senioren waren isoliert und wir baten unsere Facebook Followers Märchen aufzunehmen und sie uns zu senden. Wir haben sie weitergeleitet und den Senioren eine große Freude bereitet.

Wo hast du so gut Deutsch gelernt?
Ich habe an der Wirtschaftsuniversität Interkulturelle Kommunikation studiert. Viele Fächer waren auf Deutsch und Englisch. Dank der Zusammenarbeit der Diakonie in Mitteldeutschland und Diakonie in der Slowakei war ich nach dem Studium für sieben Wochen als Freiwillige in der Nähe von Erfurt. Durch das Projekt Sommer-Aktiv waren mehrere slowakische Freiwilligen in Mitteldeutschland um Menschen mit Behinderungen, Senioren und Kindern zu helfen. Ich wurde in einer der Wohnstätte für Menschen mit Behinderung eingesetzt. Es war der beste Sommer meines Lebens und der erste Schritt zu meiner jetzigen Arbeit.
Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt keine Erfahrung mit der Diakonie. Meine derzeitige Kollegin war damals verantwortlich für ein Projekt und fragte, ob ich Deutsche, die als Freiwillige in die Slowakei gekommen sind, Slowakisch unterrichten könnte. Das klang interessant für mich. Deutsch ist in der Slowakei nicht so populär. In der Schule wird hauptsächlich Englisch als Fremdsprache unterrichtet. Filme und vieles andere ist auf Englisch. Nicht viele junge Menschen wollen Deutsch lernen. Deswegen freut es mich, wenn ich jemandem mit Deutsch helfen kann.

Gibt es einen thematischen Schwerpunkt, der mit Hoffnung für Osteuropa oder dem DWW verbindet?
Wir sind Anbieter von sozialen Dienstleistungen. Die soziale Arbeit halte ich für sehr interessant. Unsere Organisation besteht aus der Zentrale (wo ich arbeite) und dem Netz von 26 Zentren der Ev. Diakonie, mit ungefähr 800 Klienten. Wir bieten Dienstleistungen für Kinder in der Kinderkrippe, in professionellen Ersatzfamilien, im Kriseninterventionszentrum für Mütter mit Kindern, Jugendliche in den Häuser auf dem halben Weg, Senioren in Tagespflegezentren und Aufenthaltseinrichtungen für Senioren an. Dank der Aktion Hoffnung für Osteuropa und DWW konnten wir in mehreren unseren Einrichtungen den Betrieb aufnehmen. Das Gesetz über soziale Dienste wurde im Laufe der 10 Jahre schon 20-mal in der Slowakei verändert. Aus den öffentlichen Quellen erhalten wir nur wenig. Ohne Hilfe von DWW könnten wir unseren Dienst und unsere diakonische Arbeit nicht fortsetzen. Momentan beschäftige ich mich mit der Roma-Thematik. Ein Roma-Projekt mit Hoffnung für Osteuropa und anderen Partnerorganisationen aus Osteuropa ist in Vorbereitung. Dieses Thema ist neu für mich.

Hast du Visionen für die Zukunft? Wünsche?
Ich würde gerne unsere neuen und alten Partner der Diakonie kennenlernen. Ich hoffe, dass es bald möglich sein wird, zu reisen und sich wieder zu treffen.
Mit der Roma-Thematik würde ich mich gerne mehr befassen. Wir haben auch mit einem Pfarrer über Arbeit mit Roma in seiner Kirchengemeinde gesprochen. Er beschäftigt sich mit den Roma schon viele Jahre. Er hat mir viel über seine Vision erzählt. Ich hoffe, dass wir in Zukunft eng mit dieser Kirchengemeinde zusammenarbeiten können. Ich möchte meine Sprachkenntnisse verbessern. In meiner Freizeit lerne ich Russisch. Letztes Jahr hatten wir zwei Freiwilligen aus der Ukraine bei uns. Am Anfang sprachen sie nur Russisch, was schwierig war. Kenntnisse in dieser Sprache können für eine mögliche künftige humanitäre Zusammenarbeit mit der Ukraine auch von Vorteil sein.

Was wünschst du dir vom DWW oder Hoffnung für Osteuropa?
Ich möchte mich bedanken. Dank der Unterstützung der HfO konnten wir viele Desinfektionsmittel und Schutzmittel kaufen und ich denke das war der Grund, warum wir in der ersten Welle keine Coronafälle in unseren Einrichtungen hatten. Ich denke unser Gespräch ist auch eine Hilfe. Ich bin sehr dankbar für die Zusammenarbeit und ich hoffe, dass sie fortgesetzt wird.

Vielen Dank!

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Das Interview führte Lydia Schwörer, Praktikantin in der Abteilung für Migration und Internationale Diakonie im Herbst 2020.



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