29. April 2019

Wenn die Handy-Produktion zum Krimi wird

© E. Fuhr, EJW

„Handy-Aktion Baden-Württemberg“ ehrt Preisträger der „Handy-Challenge“

STUTTGART. Bei der Messe „Fair Handeln“ wurden am vergangenen Sonntag, den 28. April 2019, die Preisträger der „Handy-Challenge“ geehrt. Bei diesem landesweiten Wettbewerb wurden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aufgefordert, sich näher mit dem Thema Handy zu beschäftigen. Unter dem Motto „Im Handy steckt mehr drin, als ihr denkt!“ konnten Schulklassen, Jugendgruppen und Einzelpersonen kreativ werden und beispielsweise eine Geschichte aus Sicht des Smartphones oder seiner Bausteine als Fotocollage, Theaterszene, Videoclip erzählen. Eine andere Teilnahmemöglichkeit war die Organisation und Durchführung einer Handy-Sammelaktion mit besonderer Begleitaktion, witziger Werbung oder interessanter Start-Veranstaltung.

Den 1. Preis, eine Aktion im Waldklettergarten in Stuttgart, erhielt der Jugendkreis „Actionjunkies“ der Evangelischen Kirchengemeinde Salach. Die Jugendlichen im Alter von 14 bis 19 Jahren hatten einen Film gedreht, der sich auf pointierte Weise mit den immer kürzeren Lebenszyklen von Smartphones beschäftigt und Alternativen aufzeigt. Der Film wird im Rahmen eines Gottesdienstes zum Thema „Kostbar“ Ende Juni in Salach gezeigt werden. Darüber hinaus hatte der Jugendkreis eine Konfirmandenstunde über die Handy-Thematik gestaltet, Berichte in der örtlichen Presse veröffentlicht und eine Handy-Sammelaktion durchgeführt.

Der 2. Preis, ein Besuch in der neu eröffneten „experimenta“ in Heilbronn, ging an die Klasse 7a der Glemstalschule Schwieberdingen. Ein Teil der 22 Schülerinnen und Schüler der Inklusionsklasse dieser Gemeinschaftsschule hatte ein Hörspiel entwickelt, in dem ein Handy plötzlich anfängt zu sprechen und seine Produktionsgeschichte erzählt. Andere Gruppen bereiteten eine Handy-Sammelaktion vor, gestalteten Plakate zum Thema und warben in der Schule für die Teilnahme an der Aktion. Besonders beeindruckte die Jury, dass die 12- bis 14-Jährigen selbst Kontakte mit dem Rathaus und der Bibliothek Schwieberdingen aufgenommen haben, um dort Sammelboxen aufzustellen, sowie einen Artikel für die örtliche Presse und Homepage verfassten.

Auf einen Besuch im Landtag von Baden-Württemberg als 3. Preis darf sich eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern des Graf-Zeppelin-Gymnasiums Friedrichshafen freuen. Sie hatte sich intensiv mit dem Thema Rohstoffgewinnung, Handyproduktion und Handyentsorgung beschäftigt und zu diesem Thema einen Krimi in Form eines Theaterstücks geschrieben. Die Szenen werden aufgenommen und an der Schule gezeigt. Für das Publikum besteht die Möglichkeit mitzuraten und an einem Gewinnspiel teilzunehmen. Verknüpft mit den Vorführungen ist auch hier eine Handy-Sammelaktion.

Einen Sonderpreis vergab die Jury der Handy-Challenge an die Gruppe mit den jüngsten Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die Klasse 5a des Gymnasiums am Romäusring in Villingen hatte einen originellen Film gedreht über das Handy, vom Abbau der Rohstoffe über die Produktion bis zum Gebrauch und dem Recycling.

Hintergrund
Die „Handy-Aktion Baden-Württemberg“ ist eine landesweite Aktion vieler Organisationen aus Kirche und Zivilgesellschaft. Sie ist Kooperationspartner der Nachhaltigkeitsstrategie des Landes Baden-Württemberg und wird vom Umweltministerium unterstützt. Schirmherr ist Umweltminister Franz Untersteller.

In nicht mehr benutzten Handys schlummern wahre Schätze an Rohstoffen wie Gold, Kupfer, Zinn und Kobalt, die nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen und unter anderem in der Demokratischen Republik Kongo unter menschenunwürdigen Bedingungen abgebaut werden. Ziel der Handy-Aktion Baden-Württemberg ist es, diese Schätze zu heben, wieder in den Kreislauf zurückzuführen und gleichzeitig auf die globalen Zusammenhänge aufmerksam zu machen. Noch sind vielen Handynutzern diese Zusammenhänge und deren Auswirkungen auf Mensch und Umwelt wenig bewusst. Aus diesem Grund haben die Evangelischen Landeskirchen in Baden und Württemberg, die Diakonie Württemberg mit Brot für die Welt, das Deutsche Institut für Ärztliche Mission e.V. (Difäm), das Evangelische Jugendwerk in Württemberg (EJW), die Aktion Hoffnung Rottenburg-Stuttgart e.V., der Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg e.V. (DEAB) und das Entwicklungspädagogische Informationszentrum Reutlingen (EpiZ) die Handy-Aktion ins Leben gerufen. Die Sammlungen werden in Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom durchgeführt.

Seit 2015 wurden durch diese Aktion mehr als 71.000 gebrauchte Mobiltelefone gesammelt. Mit dem Erlös von bisher über 48.000 Euro werden drei Projekte in Äthiopien, Uganda und im Kongo unterstützt.

Wer selber eine Sammlung oder eine Informations- und Bildungsveranstaltung zum Thema organisieren möchte, kann sich mit den Initiatoren direkt in Verbindung setzen.

Weitere Informationen: www.handy-aktion.de