Gleiche Chancen für alle Kinder

Inklusion statt Separation – unter diesem Motto sollen Kinder und Jugendliche in den Schulen Baden-Württembergs künftig bis zur 10. Klasse gemeinsam lernen. Dafür setzt sich ein breites Bündnis von kirchlichen und schulischen Initiativen, von Elternorganisationen, Familien- und Jugendverbänden, Parteien und Gewerkschaften aus Baden-Württemberg ein – darunter das Diakonische Werk Württemberg.


Stuttgart, 25. März 2009. Mitglieder des Netzwerks stellten Bündnis und Zielvorstellungen vom Paradigmenwechsel in der Schulpolitik des Landes im Moser-Saal des Landtags von Baden-Württemberg der Presse vor. „Alle Kinder und Jugendlichen sollen, unabhängig von Elternhaus, sozialer oder kultureller Herkunft die gleichen Chancen haben und gemeinsam lernen", heißt die Botschaft des Netzwerks „In einer Schule gemeinsam lernen".

Nach eigenen Angaben wird das Bündnis bisher von mehreren 100.000 Mitgliedern aus 25 Organisationen getragen. Als Kernforderung nannte Ulrich Fellmeth, Leiter der Abteilung Kinder, Jugend und Familie im Diakonischen Werk Württemberg, die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems und die flächendeckende Einrichtung von Ganztagsschulen. „Dass Kirchen und Diakonie der gesellschaftlichen Teilhabe aller verpflichtet sind, zeigt auch die Erklärung der Oberkirchenräte der badischen und württembergischen Landeskirchen zur Schulpolitik vom September des vergangenen Jahres", so Ulrich Fellmeth. Die Landessynode habe diese Erklärung im Frühjahr dieses Jahres bekräftigt. „Konzepte kirchlicher Bildungspolitik und diakonischer Bildung haben als zentrale Ausgangsziele die Überwindung von Armut bei Kindern und Jugendlichen, die Stärkung der Familien mit Migrationshintergrund, die Gestaltung der Schule als Ort des Gelingens durch Kooperation und die Befriedigung des individuellen Förderbedarfs", sagte Fellmeth im Moser-Saal des Landtags von Baden-Württemberg. „Es ist falsch, Kinder auf verschieden gewertete Schularten zu verteilen, und es ist demütigend, jungen Menschen ständig vor Augen zu halten, was sie nicht können", begründet Waltraud Berndt-Mohr, die stellvertretende Vorsitzende des Arbeitskreises Gesamtelternbeiräte Baden-Württemberg, die Notwendigkeit einer inklusiven, demokratischen Schule.

Scharfer Gegenwind, so war bei der Landespressekonferenz zu hören, bläst dem Netzwerk von Vertretern der CDU und aus Gymnasien entgegen. Mit Stichworten wie „Einheitsschule" und „Konvoilernen" kritisieren Gegner das Anliegen des Bündnisses. „Sie können durch das ganze Land schauen, große Teile der Bevölkerung stehen für eine Änderung in der Bildungspolitik dieses Landes", hält Ulrich Fellmeth dagegen. Und auch auf Landesebene grummele es mächtig in der CDU. Statt wirklicher Reformen gebe es immer nur Reparaturen in der Bildungspolitik, schlossen sich Sprecher anderer Netzwerk-Organisationen Fellmeths Argumentation an. „Je breiter das Bündnis wird, umso größer wird unsere Hoffnung", sagte Doro Moritz. „Auch die demografische Entwicklung gibt unseren Forderungen recht, die vielen, kleinen Grundschulen im Land werden nicht zu halten sein", so die Landesvorsitzende der GEW Baden-Württemberg. Das Netzwerk „In einer Schule gemeinsam lernen" wolle nichts anderes als in Artikel 11 der Landesverfassung festgesetzt sei. Dort heißt es: „Jeder junge Mensch hat ohne Rücksicht auf Herkunft oder wirtschaftliche Lage das Recht auf eine seiner Begabungen entsprechende Erziehung und Ausbildung. Das öffentliche Schulwesen ist nach diesem Grundsatz zu gestalten." Mit der Verweigerung dieses Verfassungsrechtes müsse endlich Schluss sein, so die offizielle Erklärung des Netzwerkes.

Weitere Informationen unter www.in-einer-schule-gemeinsam-lernen-bw.de/   

 

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