Es sind Menschen zu sehen, die in einem Halbkreis stehen und dem Vortrag zuhören.
© Mariaberg e.V

Fit für die erste Wahl

Erstwählerworkshop im Jugendzentrum Gammertingen

Rund zwei Wochen vor der Landtagswahl am 8. März lud die Schulsozialarbeit gemeinsam mit der offenen Jugendarbeit Gammertingen Schüler und Schülerinnen der 10. Klassen der Werkrealschule, Realschule und der Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren zu einem Erstwähler-Workshop ins Jugendzentrum ein. Die Schulsozialarbeit mit Michael Egerter und Ioana Wetzel sowie die offene Jugendarbeit mit dem Jugendbeauftragten der Stadt Gammertingen, Felix Wohanka, gehören zum Fachbereich Jugendarbeit der Mariaberger Ausbildung & Service gGmbH. Von 14:00 bis 15:30 Uhr gaben zwei Referent*innen der Servicestelle für Kinder und Jugendbeteiligung Baden-Württemberg (SKJB) den Jugendlichen das nötige Handwerkszeug für ihren ersten Gang zur Wahlurne.

Dass Informationsbedarf besteht, wurde schnell deutlich. Noch in der Vorstellungsrunde brachte ein Schüler die Stimmung vieler Anwesender auf den Punkt: „Ich bin verwirrt von der ganzen Situation.“ Nicolai, 17 Jahre aus Gammertingen, formulierte es pragmatisch: „Deswegen hör ich mir das hier jetzt an und schau dann mal.“

Die Referierenden Tim Henne und Ricarda Schneider, beide Anfang zwanzig, waren im vergangenen November vom SKJB eigens für solche Workshops geschult worden. Tim Henne studiert Politik- und Verwaltungsmanagement, Ricarda Schneider Sozialwissenschaften, Politik und Soziologie. Gemeinsam mit 13 weiteren Ehrenamtlichen besucht das SKJB-Team vor der Wahl alle Wahlkreise im Land.

Den Einstieg gestalteten sie interaktiv. Die Jugendlichen stellten sich in einem Spalier auf und diskutierten mit den jeweils Gegenüberstehenden über Fragen wie: Was ist dir wichtig bei deiner Wahl? Was würdest du in Baden-Württemberg ändern, wenn du einen Tag regieren könntest? Was wäre dein Wahlslogan? Aus den Gesprächen wurden Themen wie Klima, Schulsystem, Wehrpflicht, Wohnraum, Gehalt und Freiheit laut. Ein Wahlslogan, den ein Schüler entwickelte, lautete: „Gerechtigkeit – gleiches Recht für alle.“

Im Anschluss erläuterten die Teamer*innen des SKJB den Aufbau des Landtags: Alle fünf Jahre wählen rund 7,6 Millionen Wahlberechtigte mindestens 120 Abgeordnete aus 70 Wahlkreisen – die dann wiederum den Ministerpräsidenten wählen. Anhand eines Muster-Stimmzettels erklärte Tim Henne, wie Erst- und Zweitstimme funktionieren: „Wichtig ist: keine einzige Stimme ist verloren oder umsonst. Auch wenn dein Kandidat nicht reinkommt, entscheidest du mit deiner Zweitstimme über die prozentuale Verteilung.“

Auch die Frage, welche Themen überhaupt auf Landesebene entschieden werden, stand im Fokus – v.a. im Bereich der Bildung und etwa Religionsunterricht, sowie wie Kunst, Kultur, Sport oder Jugendarbeit gefördert werden und für die Aufsicht über die Polizei ist das Bundesland zuständig. Auf Zetteln ordneten die Schüler*innen ihre eigenen Anliegen zu, ob Ländersache oder Bundesebene – bei letzterer z.B. die Wehrpflicht.

Die Sorge, beim Wählen etwas falsch zu machen, war spürbar; eine Frage aus dem Publikum brachte sie direkt zur Sprache: „Ab wann ist ein Stimmzettel ungültig?“ Ricarda Schneider nahm diese Unsicherheiten auf und gab den Jugendlichen praktische Orientierung: den Wahl-o-mat sowie die Website der Landeszentrale für politische Bildung, die Parteipositionen kompakt zusammenfasst. Ihr Appell an die Gruppe: „Überprüft die Parteien auf eure eigenen Werte hin, bevor ihr euer Kreuz setzt. Nicht wählen gehen ist keine gute Idee, weil ihr damit tendenziell die Parteien stärkt, die ihr nicht wollt.“

Schulsozialarbeiter Michi Egerter ergänzte das Angebot: „Wenn ihr noch Fragen habt vor dem 8. März, kommt jederzeit auf uns zu.“

Nicolai zog nach dem Workshop ein nüchternes, aber positives Fazit: „Ich fands gut, hätte aber persönlich gern noch mehr zu den einzelnen Parteien gehört. Aber ich werde mich jetzt über diese Website und den Wahl-o-mat informieren und Nachrichten gucken und dann entscheiden.“

 

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