Sichtwechsel kann ein Weg aus der Krise sein
Matthias Horx beim 19. Kirchberger Dialog
Zukunftsforscher Matthias Horx und weitere Referenten gaben beim Kirchberger Dialog im Kloster Kirchberg Tipps, wie es gelingt, Teams und sich selbst in Krisen zu stärken. Die Veranstaltung, eine Kooperation von BruderhausDiakonie, Samariterstiftung und dem Berneuchener Haus Kloster Kirchberg, fand bereits zum 19. Mal in Sulz am Neckar statt.
Kann ein Umstand neu gedacht werden, sodass er in einem anderen Licht erscheint? Dass „Reframing“, so der Fachbegriff, möglich ist, erläuterte Matthias Horx, Publizist und langjähriger Zukunftsforscher, in seinem Vortrag beim Kirchberger Dialog im Berneuchener Haus Kloster Kirchberg in Sulz am Neckar. Rund 60 Führungskräfte und Mitarbeitende zahlreicher Unternehmen informierten sich Ende Januar 2026 in Vorträgen und Workshops zum Thema „Trotzdem ja zur Zukunft! Führungsstark in bewegten Zeiten.“ Die jährliche Veranstaltung für Interessenten aus Wirtschaft und Sozialwirtschaft forderte die Teilnehmenden auf: „Wenn das Leben Dir eine Zitrone gibt, mach‘ Limonade draus.“ Horx, jahrzehntelang bekannt für seine Megatrend-Aussagen, zeigte aus wissenschaftlicher Sicht auf, wie Menschen unter Veränderungsdruck Zukunft gestalten können. Die Gesellschaft sei momentan einer „Omnikrise“ ausgesetzt, bestehend aus acht einzelnen Krisen, informierte er. Zu diesen gehören unter anderem das „Comeback der Kriege, Künstliche Intelligenz und die Klimakrise“. „Wir verschwenden unsere ganze Energie mit dem Bedauern des Problems und im Zweifel hat die Politik Schuld“, fasste er die aktuelle Gemütslage zusammen. Er ermutigte bei seiner Aufzählung der drei Arten des Wandels einer Gesellschaft, sich dem Wandel zu stellen. „Doing future“ bedeute, mitzugestalten und nicht nur zu erwarten – auch bei Herausforderungen wie Fachkräftemangel. In Unternehmen seien flexible Arbeitszeitmodelle die Zukunft.
Menschen benötigten mehr Zeit für ihre Familien.
Um die Versorgung der wachsenden alternden Gesellschaft auch in Deutschland zu gewährleisten, führte er ein Beispiel aus den Niederlanden an. An bestimmten Stellen übernehmen dort selbstorganisierte Teams ambulante Pflege für die Nachbarschaft. In Tromsø, Europas nördlichster Großstadt, bewertet ein Großteil der Einwohner nach einem Sichtwechsel samt Einführung von Veranstaltungen die dunkle Jahreszeit nun positiver. „Alles kann einen Sinn haben“, schloss Horx, „es kann hart kommen, aber uns wird was einfallen.“ Zum Thema „Führungsstark im Wandel“ referierte Alexander Groth, Professional Speaker für Führung, Buchautor und Lehrbeauftragter an drei deutschen Universitäten. Er verdeutlichte anhand von Beispielen aus der Praxis, wie Menschen durch Veränderung geführt werden können. Er zeigte Lösungen auf, um Mitarbeitende, die Widerstand gegen den stetigen Wandel in ihrem Unternehmen leisten, wieder zur Mitarbeit zu gewinnen. Teamdenken und aufrichtige Zuneigung den Mitgliedern im Team gegenüber seien von zentraler Bedeutung führte Groth aus und bezog sich unter anderem auf John Wooden, erfolgreicher amerikanischer Basketballtrainer und Coach. Marion King, Beraterin, Autorin und Aktivistin für neues Arbeiten, stellte vor, wie mit „Good Work“ Wertschöpfung im Unternehmen generiert werden kann. Mit der Vorstellung, dass in einer vernetzten, digitalen, komplexen, schnelllebigen Welt, die Menschen flexibel, partizipativ, verantwortlich und lernend miteinander arbeiten, plädiert sie für mehr selbstorganisierte Teams. Die Rolle von Führung entwickle sich dann mehr und mehr zur Koordination. Good Work müsse in die Strategie eines Unternehmens passen, auch die Mitarbeitenden sollten die neue Selbstorganisation wollen. Mit Jonglieren und Impro-Theater setzten Teilnehmende des Kirchberger Dialogs Führung und damit verbundene Herausforderungen in Bewegung, mit Sprache und Gesten spielerisch um. Poetin und Vortragsrednerin Dominique Macri fasste Vorträge und Workshops in Versen zusammen und trug sie am Abend vor. Wege aus der Krise wurden zur poetischen Kunst auf der Bühne. Der nächste Kirchberger Dialog findet im Januar 2027 statt, auch dann wieder im Berneuchener Haus Kloster Kirchberg in Sulz am Neckar.