Weniger Papier, mehr Zeit: Hauswirtschaft der Zieglerschen wird digital
Digitalisierung spielt bei den Zieglerschen eine wichtige Rolle. Auch im Bereich Hauswirtschaft führt das Sozialunternehmen, zu dem 25 Seniorenzentren gehören, für die Mitarbeitenden wo immer es geht digitale Unterstützung ein.
Die Zentralküche der Zieglerschen in Wilhelmsdorf produziert pro Woche 17.500 Mittagessen plus Frühstück und Abendessen im Cook-and-Chill-Verfahren. In Sachen Digitalisierung ist sie seit Jahren ein Vorreiter. „Vom Einkauf über die Warenanlieferung bis zur Auslieferung des Essens sind unsere kompletten Abläufe digitalisiert“, schildert Bereichsleiter Kevin Kraus. Automatisch überwacht werden beispielsweise die Temperaturen in Kühlhäusern und Kühlzellen. „Sind sie zu hoch, werden die zuständigen Mitarbeiter automatisch per E-Mail benachrichtigt“, sagt Kraus. So seien die gesetzlichen Vorgaben zur Lebensmittelsicherheit auch nachts und am Wochenende gewährleistet.
In den 25 Seniorenzentren der Zieglerschen ist wie in allen Altenpflegeeinrichtung die Temperatur der Mahlzeiten mit ihren einzelnen Komponenten enorm wichtig. Nicht nur die Kühlkette darf nie unterbrochen sein, auch die richtige Temperatur beim Erhitzen und vor dem Servieren muss von den Mitarbeitenden fortlaufend dokumentiert werden. „Inzwischen haben wir eine App auf dem Diensthandy, die mit dem Thermometer verbunden ist“, sagt Svetlana Babusko, Hauswirtschaftsleiterin des Seniorenzentrums in Aitrach.
In dem Pilotbetrieb der Zieglerschen mit 30 Dauerpflegplätzen messen die Mitarbeitenden in einem festgelegten Zeitfenster die Temperatur jeder einzelnen Komponente, die in der App hinterlegt ist. Der große Unterschied zu früher: Die Messwerte müssen nicht mehr von Hand in Listen eingetragen werden. „Das spart Zeit und Papier. Außerdem ist die digitale Erfassung der Werte sicherer“, so die Erfahrung von Babusko. Eine große Zeitersparnis sei auch die digitale Temperaturerfassung der Kühlschränke, Kühlzellen und Kühlhäuser. Das kleine blaue Kästchen misst automatisch und speichert die Werte. „So falle zum Beispiel eine versehentlich offenstehende Kühlschranktür sofort auf.“
Für Kathrin Ellinger-Philipp, die bei den Zieglerschen das Referat Hauswirtschaft, Hygienemanagement und Arbeitsschutz leitet, ist neben der verbesserten Sicherheit auch der Abbau der unglaublichen Papierflut ein Thema. „Das ist eine sehr große Arbeitserleichterung.“ Wichtig sei, dass die Hauswirtschaftsleiterinnen hinter der Digitalisierung in ihrem Bereich stehen. Das mache die Umsetzung im Team deutlich leichter.
Für Sebastian Köbbert, Geschäftsführer der Altenhilfe der Zieglerschen ist die Hauswirtschaft weit mehr als ein unterstützender Dienst. „Sie ist ein wesentlicher Bestandteil für die Lebensqualität in unseren Seniorenzentren.“ Täglich würden die hauswirtschaftlichen Mitarbeitenden dafür sorgen, dass sich Bewohnerinnen und Bewohner wohl, sicher und wertgeschätzt fühlen. Mit ihrem Engagement würden sie eine Umgebung schaffen, die Geborgenheit vermittle und ein würdevolles Leben im Alter unterstütze. „Die Digitalisierung eröffnet uns neue Möglichkeiten, die Arbeit in der Hauswirtschaft noch effizienter und zukunftsfähiger zu gestalten“, sagt Köbbert. Nicht zuletzt entlaste sie die Mitarbeitenden von zeitaufwendigen Routineaufgaben.
Auch bei der Reinigung hat die Digitalisierung Einzug gehalten. „Entschuldigung, ich muss hier durch“, sagt eine nicht unsympathisch klingende Computerstimme. Im Seniorenzentrum Aitrach ist der Reinigungsroboter, von allen liebevoll „Reini“ genannt, unterwegs und er merkt sofort, wenn eine Person oder ein Stuhl im Weg steht. Vergleichbar ist er mit einem Reinigungsroboter, der im Privathaushalt zum Einsatz kommt. Aber er ist deutlich größer und verfügt über mehr Programme. „Für uns ist Reini eine gute Unterstützung, aber er ersetzt keine Mitarbeiterin“, berichtet Einrichtungsleiterin Slavica Tillich. Müsste man doch Ecken und andere Stellen nachreinigen, die der Roboter nicht so gut erreiche.
Dennoch sei die Arbeit der Reinigungskräfte deutlich rückenschonender geworden. Kümmert sich doch jetzt der Roboter um die großen Flächen in Gängen und Aufenthaltsbereichen. Anfangs habe Reini, der im Seniorenzentrum Aitrach seit Dezember 2025 im Einsatz ist, hin und wieder die Orientierung verloren. „Jetzt bleiben die QR-Codes an Ort und Stelle, so dass er immer seinen Standort bestimmen kann und zurück zu seiner Station findet“, berichtet Slavica Tillich von den ersten Wochen. Inzwischen habe sich durch den täglichen Einsatz eine gewisse Routine entwickelt. Die Mitarbeitenden wählen aus, ober Reini saugen oder nass wischen soll, klicken auf den zu reinigenden Bereich – und schon geht es los. Tatsächlich benötigt der Reinigungsroboter aber auch etwas Zuwendung. Er wird nicht nur nach jedem Einsatz selbst gereinigt, sondern will auch gepflegt und gewartet werden. „Aber wenn Reini mal ausfällt, wird er schmerzlich vermisst“, sagt die Einrichtungsleiterin.
Kathrin Ellinger-Philipp schätzt an den Reinigungsrobotern, die inzwischen in allen 25 Seniorenzentren der Zieglerschen im Einsatz sind, dass sie sowohl die Arbeit des Reinigungspersonals einfacher machen als auch dazu beitragen, Qualitätsstandards zu sichern. „Wir haben uns ein Jahr Zeit genommen, um verschiedene Reinigungsroboter zu testen und uns mit den Erfahrungen anderer Einrichtungen zu beschäftigen“, berichtet Ellinger-Philipp. Von Anfang an sei klar gewesen, dass es nicht um die Einsparung von Personal, sondern um Arbeitserleichterung gehe.
Trotzdem sei die Akzeptanz nicht in allen Häusern sofort da gewesen. „Es gab Angst um den Arbeitsplatz und Vorbehalte gegenüber der Digitalisierung.“ Jedoch hätten Einrichtungen, die positiv an die Sache herangegangen seien, sehr schnell gute Erfahrungen mit dem neuen Mitarbeiter auf Rollen gemacht. Durchaus interessant seien die Reinigungsroboter auch für die Bewohner der Seniorenzentren. „In einem Haus warten die Bewohner wie im Kino auf ihren Roboter und beobachten, ob er alles richtig macht“, so Ellinger-Philipp.