Konfetti, Kreide und große Kunst
Rückblick auf die Mariaberger Sommerkunstwoche
Ein Schauer aus Papier-Schmetterlingen eröffnete vergangenen Montag, den 03. August, die 17. Mariaberger Sommerkunstwoche: Vorstand Lars Kehling begrüßte die Teilnehmenden im Klosterhof gemeinsam mit Barbara Knupfer vom Atelier 5 und ließ dazu eine Konfettikanone los. Bis Freitag verwandelte sich das Gelände rund um das historische Klosterareal dann wieder in einen kreativen Co-Working-Space mit 18 inklusiven Workshops, in denen Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam zeichneten, webten, schnitzten und experimentierten und gegenseitige Inspiration fanden. Möglich wird das durch Assistenzen, die Teilnehmende mit entsprechendem Bedarf begleiten und dabei selbst mit künstlerisch tätig werden. Finanziert wird diese Begleitung über Spenden, wofür sich Mariaberg ausdrücklich bedankt. Die Sommerhitze des Augusts hielt nicht mal die Outdoor-Kurse von der Kunst ab: Bei „Land Art“, „Holzbildhauerei“ oder „Abenteuer Natur Kunst“ wurde draußen weitergearbeitet, während sich der Gammertinger Stadtteil insgesamt in sommerlichem Ambiente zeigte.
Selbstgemachte Kreide und Verkleidungskunst
Im Kurs „Kunterbuntes Allerlei“ für Kinder ab sechs Jahren drehte sich alles ums Ausprobieren. So wurde zum Beispiel Malkreide aus Gips und Lebensmittelfarbe selbst hergestellt: Wasser und Gips werden vermengt, ein paar Kleckse Farbe dazugegeben, alles verrührt und zum Trocknen in eine mit Backpapier und Tesa abgedichtete Klopapierrolle gefüllt. Dozentin Katharina Schenk nahm die Kinder bei jedem Schritt mit und erklärte auch gleich den Vorteil der Konstruktion: „Das Gute: Das geht mit Wasser dann wieder weg, damit die Nachbarn sich nicht beschweren. Der Regen wäscht das Gemalte dann nämlich wieder weg.“
Auch sonst traf sie den Ton der Gruppe – etwa beim gemeinsamen „Du bist gut genuuuuug“-Singen. Bei der Vorstellungsrunde am ersten Tag durfte sich jedes Kind aus der Verkleidungskiste bedienen, ob mit Wuschelperücke oder Schnurrbart zur Tarnung. Das nahm sichtlich Hemmungen, sodass auch schüchterne Kinder schnell in der Gruppe ankamen. Mit der selbstgemachten Kreide zogen die jungen Künstler*innen anschließend über das Gelände und hinterließen dort Botschaften, während sie den Erwachsenen bei ihren Kursen über die Schulter schauten.
Im Moos liegen als künstlerische Methode
Geruhsamer ging es bei einem der neuen Angebote zu, dem Kurs „Land Art“. Hier stand für die Dozentin Barbara Karsch-Chaïeb Achtsamkeit und ein sorgsamer Umgang mit natürlichen Materialien im Mittelpunkt. Wer vorbeikam, sah Teilnehmende im Moos liegen und Wolken beobachten oder gemächlich im Fluss nach Fundstücken für ihre Installationen suchen. Aus Asche und Erde entstanden Farben für Straßenmalerei, aus Blättern Girlandenspiralen in Baumrinden, aus Ästen und Steinen Mandalas auf dem Waldboden.
Teilnehmerin Sabine, die schon mehrfach an der Sommerkunstwoche teilgenommen hat, wollte diesmal bewusst etwas anderes ausprobieren: „Ich wollte mal etwas ganz Ruhiges, wo man ganz bei sich und im Moment sein kann. Es geht nicht um ein Produkt, das man herstellen und am Schluss mit nachhause nehmen muss; man macht nichts, das bleibt.“ Genau das habe sie als befreiend empfunden. Eine andere Teilnehmerin beschrieb einen ähnlichen Effekt: „Ich hab noch nie so schnell die Arbeit vergessen und abschalten können.“
Wieder andere suchten in der Sommerkunstwoche gezielt handwerkliche Vertiefung, etwa beim experimentellen Acrylmalen oder beim Gestalten von lebendigen Tonskulpturen. Bei letzterem vermittelte die Dozentin Antje Gerhardy dafür auch anatomisches Grundwissen – schließlich braucht es den richtigen Schwung von Helix und Anti-Helix sowie die passende Neigung am Kopf, um etwa ein menschliches Ohr realistisch zu formen.
Rahmenprogramm zwischen Stummfilm und Orgelklang
Neben den Workshops und dem Offenen Sommerkunstatelier gehörte auch in diesem Jahr ein vielseitiges Rahmenprogramm zur Sommerkunstwoche: kunsthistorische Führungen durch die Roland-Kappel-Retrospektive und die barocke Klosterkirche, ein Qigong-Impuls zum Entspannen nach dem Schaffenstag sowie ein Grillabend mit musikalischer Begleitung. Am Dienstagabend begleitete Frieder Gundert am Klavier live einen Stummfilmkinoabend in der Mariaberger Mehrzweckhalle. Am Donnerstag spielte Prof. Hans-Jürgen Kaiser, ehemaliger Domorganist in Fulda, in der Klosterkirche ein Orgelkonzert mit Werken von Rinck, Bach und Karg-Elert; im Anschluss gab es auf der Terrasse des stets gut besuchten Sommerkunstcafés Gelegenheit zum Austausch.
Vernissage zum Abschluss
Den Abschluss bildete am Freitag die Vernissage in der Mariaberger Mehrzweckhalle. Vorstand Lars Kehling und Anika Hellstern vom Atelier 5 und Orga-Team der Sommerkunstwoche bedankten sich bei Dozent*innen, Spender*innen und Teilnehmenden. Ein kurzer Film gab Einblick in alle 18 Workshops und in Ausschnitte des Rahmenprogramms, bevor die Werke aus einer Woche kreativen Schaffens beim Rundgang über das Gelände präsentiert wurden.
Der Termin für die 18. Mariaberger Sommerkunstwoche steht bereits fest: Sie findet vom 2. bis 6. August 2027 statt, das Programm wird derzeit erarbeitet. Anmeldungen sind im Frühjahr über die Website der Akademie Laucherttal möglich.