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Immer mehr Prostituierte möchten aussteigen

Runder Tisch zur Lage der Prostitution im Landkreis Esslingen

„Unter unseren Klientinnen gibt es keine, die das gerne macht“, berichtet Claudia Brendel, Leiterin des Projekts RAHAB des Kreisdiakonieverbands im Landkreis Esslingen. Die Klientinnen des Projekts Rahab sind in der Prostitution tätig und werden von zwei Streetworkerinnen beraten. Einmal im Jahr lädt der Kreisdiakonieverband zum „Runden Tisch Prostitution im Landkreis Esslingen“ ein und berichten nach einem Impulsvortrag über die Arbeit des Projekts Rahab. Diesmal fand die Veranstaltung am 20. Oktober im Alten Rathaus in Esslingen statt. Etwa 30 Personen aus Verwaltung, Lokalpolitik und Zivilgesellschaft waren gekommen.

Der Impulsvortrag zeigte den Zusammenhang zwischen Pornografie und Prostitution: So berichten viele Klientinnen den Streetworkerinnen des Projekts Rahab, dass gewalttätige und erniedrigende Trends in der Prostitution meist aus Pornos stammen. Zudem geben  viele der Frauen an, sie seien durch Pornografie oder Camsex zur Prostitution gekommen. Aber es fängt schon bei Kindern und Jugendlichen an: Mehr als die Hälfte der Befragten (56 %) einer Studie der Landesanstalt NRW ist unter 14 Jahren, wenn sie ihren ersten Porno sehen.

Im Landkreis gibt es neun eingetragene Bordelle oder ähnliche Einrichtungen und einen erheblichen informellen Anteil an Prostitution in Massagesalons oder Privatwohnungen. Die Streetworkerinnen von Rahab sind oft vor Ort in den Bordellen unterwegs oder treffen ihre Klientinnen an neutralen Orten, um zu beraten und zu unterstützen.

Fragen zur Gesundheit sind dabei häufig. Es gibt immer mehr sexuell übertragbare Krankheiten, ebenso wie Anfragen von Freiern nach ungeschütztem Verkehr. Die Mitarbeiterinnen bekommen vermehrt Anfragen nach einem möglichen Ausstieg aus der Prostitution. Dann steht natürlich im Mittelpunkt, wie der Lebensunterhalt außerhalb der Prostitution bestritten werden kann. Zudem müsste dafür auch eine Ausstiegswohnung zur Verfügung stehen, was momentan nicht finanzierbar ist.

Im Jahr 2025 hatte das Team Rahab 420 Beratungen und 70 neue Klientinnen zu verzeichnen. Über 20 Frauen möchten aus der Prostitution aussteigen. Der Bedarf ist also da, die Finanzierung jedoch nicht. Das Projekt wird bis Ende 2028 durch den Europäischen Sozialfond und das Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit Baden-Württemberg gefördert. Diese Förderung läuft Ende 2028 aus und bereits jetzt trägt der Kreisdiakonieverband die Hauptlast der Kosten. „Wir sehen seit Jahren einen großen Bedarf und Nutzen der Arbeit des Projekts Rahab“, sagt Tanja Herbrik, Geschäftsführerin des Kreisdiakonieverbands, schränkt jedoch ein: „Ohne eine stabile Finanzierung werden wir diese Leistungen zukünftig nicht aufrechterhalten können.“

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