Umweltpreis der Sparkassenstiftung Sigmaringen geht an Mariaberg e.V.
Gefährdete Schafrasse ermöglicht Begegnungen, Lernen und Teilhabe
Die diakonische Einrichtung Mariaberg e.V. ist mit dem Umweltpreis der Sparkassenstiftung der Landesbank Kreissparkasse Sigmaringen ausgezeichnet worden. Die Landrätin des Landkreises Sigmaringen und Vorsitzende des Stiftungsvorstands, Stefanie Bürkle, und die Mitglieder des Stiftungsvorstands Michael Hahn und Klaus Rein überreichten den mit 2.500 Euro dotierten Preis vor Ort auf dem Hof der Bioland-Landwirtschaft in Mariaberg. Prämiert wurde das Projekt „Vom Zaun zum Schäfer – Inklusion, Artenschutz und biologische Landwirtschaft auf der Schwäbischen Alb“.
Zur Preisverleihung am 21. Juli waren zahlreiche Gäste gekommen. Der Mariaberger Vorstand Lars Kehling begrüßte die Gäste und wies scherzhaft darauf hin, dass sich die Weißen Bergschafe für den Anlass wohl besonders herausgeputzt hätten. Er bedankte sich bei den Gästen für ihr Kommen und ihr Interesse.
Landrätin Bürkle betonte in ihrer Laudatio, die Bewerbung von Mariaberg sei einzigartig, besonders und nachhaltig gewesen und die Entscheidung sei der Jury in diesem Jahr leichtgefallen. Das Projekt solle anderen Organisationen als Vorbild dienen. Der Vorstandsvorsitzende der Landesbank Kreissparkasse Michael Hahn hob die unterschiedlichen Beziehungen sowie Begegnungen zwischen Mariaberg und der Landesbank Kreissparkasse hervor. Er berichtete zudem, dass die Sparkassenstiftung der Landesbank Kreissparkasse Sigmaringen nun im 17. Jahr gemeinnützige und nachhaltige Projekte im Landkreis Sigmaringen – mit bislang knapp 300.000 Euro – gefördert hat.
Der Umweltpreis der Sparkassenstiftung der Landesbank Kreissparkasse Sigmaringen zeichnet besonderes, vorbildhaftes Engagement für den Umwelt-, Natur- und Klimaschutz im Geschäftsgebiet der Kreissparkasse aus. Die Auszeichnung wird im Rhythmus von zwei Jahren vergeben.
Ausschlaggebend für die Entscheidung der Jury sei gewesen, dass in der Bewerbung so viele unterschiedliche Aspekte zusammenkämen – von Artenschutz über Landschaftspflege bis zu Inklusion und außerschulischem Lernen.
Hans Hübner, landwirtschaftlicher Betriebsleiter des Mariaberger Bioland-Hofes, erinnerte in seiner Rede an den Ursprung des Projekts: Ein Mensch mit Einschränkungen, der 2013 auf der Landwirtschaft arbeitete, fragte, warum die Zwergschafe, die es damals gab, im Frühjahr noch nicht auf der Weide waren. Zu diesem Zeitpunkt war der Zaun noch nicht gesteckt, die Zeit dafür hatte gefehlt. Zur Überraschung aller steckte der Klient dann kurzerhand selber den Zaun und entpuppte sich als Sohn eines Schäfers mit ausgeprägten Kenntnissen. Dieser Schlüsselmoment führte zum Beschluss, eine stark gefährdete Rasse, die Weißen Bergschafe, zu halten und eine größere Herde aufzubauen, welche heute immer noch von diesem Klienten versorgt wird. Mit nur noch 1.300 Zuchttieren weltweit steht das Weiße Bergschaf auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Rassen. Mariaberg hält heute 25 Mutterschafe, die jährlich rund 30 Lämmer zur Welt bringen. Mit Redewendungen wie „stur wie ein Bock” oder „der Wolf im Schafspelz” verwies Hübner darauf, wie lange das Schaf schon Begleiter des Menschen sei. Die Weißen Bergschafe seien besonders zutraulich, sagte er, und er freue sich, wie viele Menschen die Herde in Mariaberg zusammenbringe. Die Weißen Bergschafe sind aufgrund ihrer Steig- und Trittsicherheit und der festen Klauen bestens geeignet für die Beweidung von Hanglagen.
Hübner dankte unter anderem der Sparkassenstiftung für die Aufmerksamkeit, die dem eher „kleinen, leisen“ Projekt nun zuteilwerde, dem Schwäbischen Albverein für die Zusammenarbeit bei der Pflege der Wacholderheiden sowie Schule und Kindergarten, die den Hof mit Leben füllten. „Aus etwas Kleinem wird etwas mit einer ganz großen Verantwortung für die Umwelt”, so Hübner.
Die Schafe übernehmen auf den Flächen rund um Mariaberg eine wichtige ökologische Funktion: Durch die Beweidung von Wacholderheiden und weiteren, maschinell nicht bearbeitbaren Flächen bleiben diese charakteristischen Lebensräume der Schwäbischen Alb offen. Inzwischen wurden dort wieder seltene Orchideenarten wie die Bienenragwurz, die Pyramidenhundswurz und die Waldhyazinthe gesichtet. Auch Streuobstwiesen werden beweidet und erhalten. Wolle und Fleisch der Tiere werden regional weiterverarbeitet.
Regelmäßig besuchen Kinder des integrativen Kindergartens Mariaberg sowie Schulklassen des SBBZ den Hof, füttern die Tiere, helfen bei den Tätigkeiten mit und lernen dabei auch von den Menschen mit Behinderungen, die dort arbeiten. Externe Besucherinnen und Besucher kommen, vor allem in der Ablammzeit, gezielt auf den Hof, um die Schafe zu besuchen. So entstehen wichtige Gespräche über Tier- und Umweltschutz.
Der Mariaberger Vorstand Lars Kehling betonte abschließend: „Die Anerkennung und Wertschätzung, die die Mariaberger Landwirtschaft durch den Umweltpreis erfährt, tut sehr gut. Das Preisgeld ist eine erhebliche Hilfe für unsere Projekte in der Landwirtschaft – aber mindestens genauso viel bedeutet es uns, das ehrliche, persönliche Interesse der Jury an unserer Arbeit zu spüren.“
Nach der Preisverleihung demonstrierten die Schülerinnen und Schüler des SBBZ, wie die Schafwolle gewaschen und gekämmt wird und wie daraus Sitzkissen gefilzt werden können. Die Veranstaltung klang bei Flammkuchen aus dem Holzbackofen, Gesprächen und einem gemeinsamen Foto aus.