Das Bild zeigt Beine in roten Netzstrumpfhosen
© bhz Stuttgart e.V.

Theatergruppe des bhz Stuttgart bricht Tabu um Sexualität und Behinderung

Mit Themen wie Body Positivity, Weiblichkeit, Männlichkeit und Körperbilder von Menschen mit Behinderung beschäftigt sich das neue Theaterstück „Und ob wir Lust haben!“ der Theatergruppe ChiBäm des bhz Stuttgart e.V.

Menschen mit Behinderung wird auch heute noch oft abgesprochen, sexuelle Bedürfnisse und den Wunsch nach einer Beziehung zu haben. Liebe und Sex, die Auseinandersetzung mit Körperbildern, die vielleicht nicht den gängigen Schönheitsidealen in den Medien entsprechen, aber auch Wut und Unsicherheit in Bezug auf Grenzüberschreitungen in der Pflege oder sexueller Missbrauch sind nach wie vor Tabu-Themen. Das Theaterstück „Und ob wir Lust haben!“ setzt sich mit diesen Tabus künstlerisch auseinander. Das 90-minütige Stück wurde von Beschäftigten des bhz auf Basis eigener Erfahrungen, Wünschen und Sehnsüchten entwickelt. Begleitet wurden sie dabei von Schauspielerin Natalie Maria Fischer und Theaterpädagoge Tobias Stumpp. Eingeflossen sind Texte aus Gedichtbänden, Fachbüchern und Online-Artikeln über Sexualität und Behinderung, Produktbeschreibungen von Hilfsmitteln wie Greif- und Masturbationshilfen und Improvisationen, die im Rahmen der Proben entstanden sind. Auch die Ergebnisse einer Passant*innenbefragung auf der Stuttgarter Königstraße wurden berücksichtigt: Menschen unterschiedlichen Alters wurden zum Beispiel gefragt, ob sie einen Rollstuhlfahrer daten würden.

Auch der Austausch mit einem speziell ausgebildeten Sexualbegleiter, der erotische und sexuelle Kompetenzen von Menschen mit Behinderungen stärkt, wurde verarbeitet. Zwischen Sommer 2025 und Frühjahr 2026 stellten die Beteiligten in einem partizipativen Prozess Text- und Videomaterial zusammen, das dann zu Szenen verdichtet und geprobt wurden. Für die Konzeptions- und Probentage werden die Beschäftigten von ihrer Tätigkeit in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung des bhz freigestellt. Gefördert wird das Theaterprojekt von der Bauder-Stiftung und der Stadt Stuttgart. Entstanden ist eine vielschichtige und kurzweilige Auseinandersetzung mit Liebe, Sexualität und Behinderung in Form von Videos und gespielten Szenen, die unterhalten, zum Nachdenken anregen und Vorurteile abbauen soll. „Sexualität gehört zum Menschsein. Das gilt für alle Menschen. Egal, ob mit oder ohne Behinderung“, sagt Irene Kolb-Specht, Vorstandsvorsitzende des bhz. Mitspieler Christian Sulzberger erzählt: „Es gibt eine Szene, in der wir verschiedene Vorurteile aufsagen. Die berührt mich, weil es ein Spiegel der Gesellschaft ist.“

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