10 Jahre kirchlich-diakonische Flüchtlingsarbeit
Zehn Jahre lang hat die kirchlich-diakonische Flüchtlingsarbeit in Württemberg viel bewirkt. Ein Rück- und Ausblick.
In den Anfangsjahren stand das Schaffen einer Willkommenskultur für Geflüchtete im Vordergrund, indem viele Asylkreise initiiert und begleitet wurden und für das Thema Flucht und Asyl sensibilisiert wurde. Flächendeckend gab es in jedem Kirchenbezirk sogenannte Koordinierungsstellen für die Flüchtlingsarbeit. Dadurch konnten unzählige Ehrenamtliche geschult, begleitet und unterstützt werden. Gemeinsam mit den Ehrenamtlichen gelang es, viele Neuzugewanderte bei deren Integration zu unterstützen, zum Beispiel mit Sprachkursen, bei Kontakten mit den Behörden, der Vermittlung von Wohnungen und auch in persönlich schwierigen Lebenssituationen.
Nach einer Etablierung der Arbeit mit etlichen weiteren Playern im Feld wurden die Stellen umbenannt in Beauftragte für kirchlich-diakonische Flüchtlingsarbeit und der Schwerpunkt verlagerte sich auf sehr viel Projektarbeit und Aktionen. Eine große Aktion war beispielsweise die Kampagne „Platz für Asyl in Europa“, bei der bunt gestaltete Stühle aus ganz Württemberg nach Stuttgart gebracht wurden, um deutlich zu machen, dass Schutz für Geflüchtete wichtig ist und keine Grenzen kennt. Eine Nachfolgekampagne „Gemeinsam an einem Tisch“ betonte, dass es wichtig ist, dass alle Menschen auf Augenhöhe zusammenkommen. Überhaupt zeigte sich, dass Integration vor allem dann gelingt, wenn Begegnung stattfindet. Solche Begegnungen sind ein wesentlicher Beitrag, um Barrieren abzubauen und gegenseitiges Verständnis zu stärken – gerade in einer Zeit, in der kontroverse Debatten geführt werden, die oft die Menschen hinter den Zahlen und die individuellen Geschichten in den Hintergrund rücken.
Mit dem Auslaufen der Förderung durch die Evangelische Landeskirche in Württemberg endet nun dieses Jahr die „kirchlich-diakonische Flüchtlingsarbeit“. Deswegen kamen im Rahmen eines Fachtreffens im Diakonischen Werk Württemberg in Stuttgart Beteiligte zusammen, um Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam zu überlegen, wie dieses Projekt zu Ende geführt wird. Es wurde deutlich, dass die vielfältigen aufgebauten Strukturen, Netzwerke und Erfahrungen eine wichtige Grundlage für die weitere Arbeit mit geflüchteten Menschen bleiben. Allerdings werden etliche wertvolle Angebote für Geflüchtete fehlen, auch wenn an einigen Orten Projekte und Gruppenarbeit weitergehen. So werden manche Begegnungscafés im Rahmen von diakonischen Bezirksstellen fortgeführt und mit Ehrenamtlichen betrieben. Die Kirchengemeinden sind nun wieder stärker gefragt, Räume für Begegnung zu öffnen und im Diakonischen Werk Württemberg steht nach wie vor ein Ansprechpartner für Fragen und Unterstützung zur Verfügung.