Gegen den Erzieherinnenmangel
Das Projekt vide terra unterstützt internationale Fachkräfte bei ihrem beruflichen Start in Deutschland
İnci Beyza Yürekli studiert zunächst Ernährungswissenschaften in der Türkei, als sie ihre Leidenschaft für die Arbeit mit Kindern entdeckt. „Während meines Studiums organisierte ich zusätzlich ehrenamtlich Ernährungsschulungen an Schulen. Auch meine Abschlussarbeit schrieb ich zum Thema Ernährungserziehung bei Jugendlichen“, erzählt sie. Nach einigen Jahren in der Diätberatung absolviert sie von 2016 bis 2018 ein zweijähriges Hochschulstudium im Bereich kindliche Entwicklung.
Dann lernt Yürekli das Europäische Solidaritätskorps kennen. „Es war eine Phase in meinem Leben, in der ich etwas verändern wollte, und ich bewarb mich bei verschiedenen Projekten“, erklärt sie. „Von Mariaberg e.V. erhielt ich sehr schnell eine Rückmeldung, und nach einem erfolgreichen Bewerbungsgespräch begann für mich ein neuer Lebensabschnitt.“
Von der türkischen Metropole Istanbul in ein kleines süddeutsches Dorf: Im Juni 2023 startet İnci Yürekli einen Freiwilligendienst an einer sonderpädagogischen Schule in Mariaberg. Parallel dazu schreibt sie ihre Masterarbeit. „Viele Menschen dachten, das Dorfleben in Deutschland würde sehr schwierig für mich werden, doch das Gegenteil war der Fall“, so Yürekli. „Das ruhige Leben in der Natur tat mir sehr gut. Ich erlebte die Jahreszeiten viel intensiver als je zuvor – mit Ausnahme des Sommers, denn als ich im Juli einen Pullover tragen musste, war ich etwas traurig.“
Für die Anerkennung ihres türkischen Abschlusses folgt ein neunmonatiges Praktikum in einer Kindertageseinrichtung mit einem Anpassungslehrgang. Außerdem belegt sie einen berufsbezogenen Sprachkurs für zukünftige Erzieherinnen und Erzieher.
Im Anerkennungsprozess wird Yürekli von vide terra unterstützt. Das Projekt der Diakonie Württemberg begleitet ausländische Fachkräfte in Gesundheits- und Pädagogikberufen, um diese erfolgreich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Neben der Beratung und Seminaren während des Anpassungslehrgangs informieren die Mitarbeitenden von vide terra zum Visumsprozess und zu organisatorischen Themen.
„Bei den Seminaren lernte ich viele Inhalte, die mir direkt im Kita-Alltag weiterhalfen“, betont die Erzieherin. „Außerdem hatte ich die Möglichkeit, andere Teilnehmende kennenzulernen, die sich in ähnlichen Situationen befanden. Wir tauschten unsere Erfahrungen aus, unterstützten uns gegenseitig und lernten voneinander. Dieser Austausch war für mich sowohl fachlich als auch persönlich sehr bereichernd.“
Vide terra berät Yürekli auch beim Schreiben ihres Fachberichts: Sie setzt ein praxisorientiertes Projekt zur Mehrkulturalität um. „Zehn von dreizehn Kindern in meiner Gruppe haben einen Migrationshintergrund – und ich selbst ebenfalls einen. Das Thema war also nicht nur pädagogisch relevant, sondern auch persönlich bedeutsam für mich.“
Vide terra ist ein Teilprojekt des Netzwerks „Integration durch Qualifizierung (IQ)“. Alle Informationen zum Projekt gibt es hier.