Eine rote Bank steht vor einem Bildschirm mit der Anzeige "Fachtag Frauenunterstützungssystem 2.0".

Neue Erkenntnisse für den Gewaltschutz

Wie notwendig die Stärkung des Gewalthilfesystems ist, zeigten die Beiträge beim Fachtag Frauenunterstützungssystem 2.0.

Es gab einige Aha-Elemente bei der Vorstellung der LeSuBiA-Studie (Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag) von Dr. Ina Bieber vom Bundeskriminalamt. Nach über 20 Jahren gibt es nun aktuelle Zahlen zur weiteren Auswertung. Zahlen, die über die Hellfeld- Polizei Statistiken hinausgehen, die nur die angezeigten Gewaltfälle berücksichtigt. Viele Betroffene zeigen den Täter nicht an, aus Scham, aus Angst vor Gericht aussagen zu müssen, aus Furcht vor Nachteilen in der Verwandtschaft und am Arbeitsplatz oder davor, dass einem nicht geglaubt wird.

Diese Befragung im relativen Dunkelfeld, mit Befragung beider Geschlechter, zeigte: Es gibt auch Männer, die von Gewalt betroffen sind, doch in erheblich geringerem Ausmaß. Vor allem ist die schwere, heftig erlebte Gewalt in allen Formen bei Frauen wesentlich höher als die bei den Männern. Besonders betroffen sind auch junge Frauen, diese vor allem durch sexuelle Belästigung, digitale Gewalt und K.o.-Tropfen.

Ein weiterer Aha-Moment war, dass es für die Gruppe der jungen Frauen ein Umdenken bei den Angeboten braucht, und es zeigte sich, wie viel Flexibilität man auch bei der Angebotsentwicklung braucht, weil sich auch die Formen von Gewalt rasant verändern.

Gewalt gegen Frauen ist nicht verhandelbar – das steht im neuen Koalitionsvertrag. Jedes Jahr steigen die Gewaltzahlen an Frauen. „Die Gewalt entscheidet sich vor Ort, an dem Ort, an dem die Frau lebt. Hier sind unsere diakonischen Stellen vor Ort in den Fachberatungsstelle gegen häusliche Gewalt, in den Interventionsstellen nach Polizeieinsätzen, in den Frauenhäusern oder Fachberatungsstellen gegen Menschenhandel.“, sagt Martina Haas-Pfander vom diakonischen Werk Württemberg. Jetzt brauche es vor allem eine klare, verlässliche und auskömmliche Finanzierung, „damit endlich die von Gewalt betroffenen Frauen und deren Kinder im Mittelpunkt stehen und aufgefangen werden können und nicht Bürokratie und Finanzierungsfragen die kostbare Zeit und Energie der Mitarbeiterin rauben“. 

Der Liga-Unterausschuss Frauen und Gewaltschutz konnte den Fachtag dank der Unterstützung des Sozialministeriums veranstalten.

Diese Seite empfehlen