Quartier-Safari in Mannheim

Quartiere als Chancen für Kirche und soziale Dienste, sich vor Ort neu mit den Menschen und Nachbarschaften zu verbinden

Am Freitag, 10. Juli 2026, ging es zur „Quartier-Safari“ nach Mannheim. Bei der gemeinsamen Veranstaltung des Diakonischen Werks Württemberg, der Evangelischen Akademie Bad Boll und der Diözese Rottenburg-Stuttgart drehte sich alles um eine zentrale Frage: Wie gelingt eine gute Nachbarschaft zwischen Kirche, sozialen Trägern, zivilgesellschaftlichen Initiativen und der Kommune?

Rund 50 Teilnehmende waren bei der Veranstaltung dabei und konnten ganz lebensnahe Eindrücke von kirchlicher Quartiersarbeit sammeln. Mehrere Mannheimer Projekte wurden im Rahmen der Quartier-Safari vorgestellt. Die Besuche boten reichlich Raum, um mit den Akteuren vor Ort direkt ins Gespräch zu kommen und viele frische Ideen für die eigene Arbeit mit nach Hause zu nehmen.

Der Tagesausflug startete in der Evangelischen Konkordienkirche im Herzen der Quadrate. Als City-Kirche versteht sie sich als offener Ort für alle Menschen in Mannheim – ob Groß oder Klein, unabhängig von Herkunft oder sozialem Status. Mit Angeboten wie dem Kinderfrühstück oder der Vesperkirche im Winter leistet die Gemeinde einen unverzichtbaren Beitrag zur sozialen Teilhabe und Gemeinschaft im Quartier.

Nächster Stopp der Safari war das neu entstehende Franklin-Quartier auf einem ehemaligen Militärgelände der US-Armee. Hier wächst mit der „YChurch of Franklin“ ein wegweisendes ökumenisches Projekt. Mit einem katholischen und einem evangelischen Pfarrer sowie dem CVJM engagiert sich das Team aktiv im Aufbau einer lebendigen Nachbarschaft. Ihr offenes Angebot richtet sich an alle Menschen im Quartier, völlig unabhängig von ihrer Religion. Die YChurch versteht sich als treibende Kraft, um eine echte Gemeinschaft im neuen Stadtteil zu stiften.

Weiter ging es zum Spinelli-Quartier und dem Projekt „FreiRaumLab“. Für die Entstehung dieses innovativen Projekts war ein starkes Netzwerk nötig. Im Vorfeld hatten sich alle zuständigen Akteure aus ganz Mannheim an einen Tisch gesetzt, um gemeinsam über die Zukunft zu sprechen und das Vorhaben auf den Weg zu bringen. Ein Herzstück des FreiRaumLabs ist heute das Zusammenspiel der katholischen Gemeinde St. Hildegard und der evangelischen Philippusgemeinde. Da das Kirchengebäude von St. Hildegard künftig zu einer Pflegeschule umgebaut wird, teilen sich die beiden Gemeinden ab jetzt die Philippuskirche. Ganz nach dem Motto: „Gegenüber und doch gemeinsam stark“. Das FreiRaumLab verdankt seinen Namen der Tatsache, dass es hier viele freie Räume gibt, die flexibel für die eigene Nutzung gebucht werden können.

Den Abschluss der Safari bildete der Besuch des Wohnprojekts „WohnWerk Mannheim eG“, das ebenfalls auf dem Spinelli-Gelände liegt. In diesem selbstorganisierten und genossenschaftlichen Projekt leben die Bewohner gemeinschaftlich und inklusiv zusammen. Unter anderem bietet das WohnWerk eine barrierefreie Wohnung im Erdgeschoss sowie einen frei buchbaren Raum für ein selbstbestimmtes Miteinander.

Ein spannendes Detail am Rande, sowohl das Spinelli- als auch das Franklin-Quartier nutzen moderne digitale Netzwerke. Über WhatsApp-Gruppen und eigens eingerichtete Communities teilen die Bewohner Quartiersinformationen auf kurzem Weg. Das erleichtert spontane Begegnungen und die Organisation von Nachbarschaftsfesten. Der Stadtteil Käfertal, in dem beide Quartiere liegen, verfügt sogar über eine eigene App mit allen wichtigen Informationen rund um das Leben im Quartier.

Die Quartier-Safari in Mannheim hat eindrucksvoll gezeigt, wie vielseitig moderne Quartiersarbeit sein kann. Trotz der unterschiedlichen Konzepte zog sich eine Erkenntnis wie ein roter Faden durch alle Stationen: Ein lebendiges Viertel gelingt nur, wenn Kommunen, soziale Träger und kirchliche Initiativen Hand in Hand arbeiten. Die Kirche übernimmt dabei oft eine unverzichtbare Brückenfunktion. Besonders nachhaltig beeindruckt hat die Teilnehmenden die ansteckende Leidenschaft der Akteure vor Ort. Mit ihrem unermüdlichen Einsatz schaffen sie Orte der Begegnung, die das gesellschaftliche Miteinander spürbar stärken und bereichern.

 

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