Finanzen, Demografie und Politik im Osten
Die Klausur der Leitungsebene des Diakonischen Werks Württemberg führte in diesem Jahr nach Leipzig und Halle.
Im Gespräch mit der Leipziger Sozialbürgermeisterin Dr. Martina Münch wurde klar: Auch hier ist die finanzielle Not der Kommune zentrales politisches Thema. Es gebe ein hohes Defizit im Haushalt bei 90 Prozent der Pflichtaufgaben in ihrem Arbeitsbereich, so Münch. Künstliche Intelligenz und Digitalisierung zum Bürokratieabbau seien große Chancen, die Softwares mit Schnittstellen aber eine große Herausforderung. Einig waren sich die Führungskräfte des Diakonischen Werks Württemberg und die Sozialbürgermeisterin darin, dass eine Einheitlichkeit in der Datenerfassung, etwa für Anträge von Sozialleistungen, dringend notwendig sei. Zum Umgang mit Rechtsextremisten betonte Münch, es gebe keine einfachen Antworten, die Problematik sei ein gesamteuropäisches Thema. Leipzig sei eine weltoffene Stadt mit aktiver Bürgerschaft.
Beim Besuch der Diakonie Mitteldeutschland in Halle berichtete der dortige Vorstandsvorsitzende Christoph Stolte, dass sich Diakonie und Kirche in Mitteldeutschland oft gemeinsam zu Wort meldeten. Auch wenn die Kirchen kleiner würden, erwarteten viele Menschen ihr Engagement. Zunehmend weniger Kinder machten Kita-Schließungen unausweichlich. Dagegen gebe es immer mehr alte Menschen, deren Versorgung im ländlichen Bereich durch ambulante Pflegedienste wegen Personalmangels gefährdet sei. Pressesprecher Frieder Weigmann erzählte im Vorfeld der Landtagswahl im Oktober zum Thema Rechtspopulismus, dass die Diakonie von Anfang an von der AfD diffamiert worden sei, weil sie Menschen ohne Ansehen der Person und Herkunft helfe. Im Vorfeld der Landtagswahlen habe die Diakonie Argumentationshilfen für Mitarbeitende und Klientinnen und Klienten erstellt. Falls die Partei in die Regierung kommt, seien die Landeszuschüsse gefährdet. Die Diakonie Mitteldeutschland werde weiterhin ihre Haltung und ihr Menschenbild erklären. Das Verhalten der Landesverbände und Träger seien unterschiedlich – die Eingliederungshilfe äußere klar, dass das Fehlverhalten von 1933 nicht wieder vorkommen dürfe.
Die Gruppe besuchte zudem die Franckeschen Stiftungen in Halle. Sie wurden 1798 von Pfarrer August Hermann Francke zunächst als Schule für vernachlässigte Kinder gegründet. Anneheide von Biela, stellvertretende Direktorin, stellte den „modernen Bildungscampus“ vor, auf dem heute die Universität, Kitas, Forschungsinstitute, Familienzentrum und andere in den Gebäuden der Stiftung untergebracht sind. Von Francke zu Bildungszwecken gesammelte Tiere, Schiffsmodelle, Trachten und vieles mehr sind heute in der „Wunderkammer“ zu besichtigen.