Qualifizierte Hauswirtschaft – Schlüsselfaktor der Sozialen Infrastruktur im Land
Jahrestagung der LAG-Hauswirtschaft mit hochkarätigen Referaten und Podiumsgästen
„Hauswirtschaft bildet die Infrastruktur für alle Hilfebereiche der sozialen Daseinsvorsorge!“ Mit diesen Worten rundete Dr. Kornelius Knapp, Sozialvorstand der Diakonie Württemberg, die Jahrestagung für die Hauswirtschaft ab. Bei der mit „Quo vadis Hauswirtschaft?“ betitelten Tagung gelang der Schulterschluss aller relevanten Akteure aus Politik, Wissenschaft, Fachverbänden, Arbeitgebern und Arbeitsagentur, die qualifizierte Hauswirtschaft in Baden-Württemberg zu stärken und zukunftsfähig auszurichten.
Ein prominent besetztes Podium widmete sich der Fragestellung „Quo Vadis Hauswirtschaft – wie kann es weitergehen in Baden- Württemberg?“. Die Akteure waren sich einig, dass (Alten-)Pflege und Kinderbetreuung ohne qualifizierte Hauswirtschaft undenkbar sind. Aus Verantwortung fürs Land müsse deshalb der Hauswirtschaft eine besondere Aufmerksamkeit gelten. Sie verbessere nicht nur die Lebensqualität der Menschen, sondern leiste wertvolle Beiträge zur Entlastung privater und öffentlicher Kassen. Für Menschen jeden Alters werde gesunde Ernährung, Prävention von Erkrankungen und Pflegebedürftigkeit, energie- und ressourcenschonende Haushaltsführung immer wichtiger. Um die hauswirtschaftliche Expertise allen Menschen und den Sozialunternehmen leichter zugänglich zu machen, empfahlen die Expertinnen und Experten die Einrichtung eines Kompetenzzentrums Hauswirtschaft in Baden-Württemberg. Als Vernetzungs- und Koordinierungsstelle könnte dieses Kompetenzzentrum relevante Informationen aus Wissenschaft und Praxis verbreiten und die Effizienz der sozialen Infrastruktur weiter steigern.
Die Fachleute waren sich einig, dass noch nicht alle Potenziale einer qualifizierten Hauswirtschaft in Baden-Württemberg ausgeschöpft sind. Einstimmig befürworteten sie die Durchführung wissenschaftlicher Untersuchungen zu hauswirtschaftlichen Bedarfen in Baden-Württemberg sowie zu effizientem Personal- und Ressourceneinsatz in Privat- und Großhaushalten.
Die Vorschläge der ExpertInnen sollen über die Zusammenschlüsse der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege, über die Fachverbände und die Wissenschaftlerinnen an die Landesregierung weitergegeben werden. Dr. Annette Holuscha-Uhlenbrock, Sozialvorständin im Diözesancaritasverband Rottenburg-Stuttgart, betonte, dass die Hauswirtschaft bei der Landesstrategie zur Stärkung der sozialen Berufe bereits gleichrangig neben den anderen sozialen Berufen berücksichtigt werde.
145 Fach- und Führungskräfte, Menschen aus der Wissenschaft, von Legislative und Exekutive, Lehrende, Auszubildende sowie Fachleute aus Verbänden kamen zusammen, um die Zukunftsperspektiven der Hauswirtschaft zu diskutieren.
Mit ausgewählten gesellschaftlichen Herausforderungen und den Gestaltungsmöglichkeiten qualifizierter Hauswirtschaft beschäftigten sich auch die vier Vorträge der Jahrestagung:
- Nachhaltigkeit und Klimaschutz: Die Einsparpotenziale durch professionelle Hauswirtschaft liegen nicht nur im CO2 Ausstoß, sondern zahlen sich ganz konkret durch weniger Ressourcen – und Energieverbrauch bei professioneller Tätigkeit aus, so die Referentin Xenia Romadina (IN VIA-Akademie)
- Hauswirtschaft als Bildungsauftrag in Kitas und Schulen. Prof Angela Häußler (Hochschule Heidelberg) berichtet, dass Hauswirtschaft wieder als cool und hilfreich bei Lehrenden und Schülern gesehen wird und gerne gewählt wird.
- Das Potential zur Gleichstellung und Prävention von Schwarzarbeit durch haushaltsnahe Dienstleistungen zeigte Prof. Christine Küster (Hochschule Fulda). Sie sieht großes Entlastungspotential für Kommunen und eine immense präventive Wirkung, sobald hauswirtschaftliche Dienstleistungen in die Pflegebegleitung einbezogen werden.
- Das Hauswirtschaft als Integrationsmotor dienen kann, hat die sehr erfolgreiche vierjährige Ausbildung an der Hedwig-Dohm-Schule gezeigt. Sollte eine Klasse von 12 SchülerInnen zusammenkommen, könnte der Bildungsgang sofort wieder starten, so Svenja Mencin (Hedwig-Dohm Schule Stuttgart)
Die Tagung bot zahlreiche Fachimpulse, Austauschmöglichkeiten und praxisnahe Diskussionen. Sie machte deutlich: Hauswirtschaft leistet einen unverzichtbaren Beitrag zur sozialen Daseinsvorsorge, zur Entlastung des Arbeitsmarktes und der Wirtschaft sowie zur nachhaltigen Entwicklung der Sozialwirtschaft.
Die LAG Hauswirtschaft Baden-Württemberg zieht ein positives Fazit und sieht in der großen Beteiligung ein starkes Signal für die Relevanz des Berufsfeldes: „Hauswirtschaft ist nicht das, was übrigbleibt, wenn alles andere erledigt ist, Hauswirtschaft ist das, was vieles andere erst ermöglicht!“