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Bezahlbares Wohnen stärken – Wohnarmut als soziale Kernfrage verankern

Caritas und Diakonie in Baden-Württemberg appellieren an neue Landesregierung

Stuttgart/Karlsruhe/Freiburg, 7. Mai 2026 – Wohnarmut und Wohnraumnot haben sich in Baden-Württemberg zu einer der drängendsten sozialen Fragen entwickelt. Immer mehr Menschen können sich ihre Wohnung nicht mehr leisten oder verlieren ihren Wohnsitz – trotz Arbeit, Rente oder staatlicher Unterstützung. Darauf machten Caritas und Diakonie in Baden-Württemberg bei einem gemeinsamen Pressegespräch am 7. Mai 2026 aufmerksam. Sie erwarten von der neuen Landesregierung entschlossenes Handeln.

Bezahlbarer Wohnraum fehlt landesweit: In vielen Städten und ebenso in immer mehr Landkreisen übersteigen die Mieten inzwischen das monatlich verfügbare Haushaltsbudget deutlich. Besonders betroffen sind Haushalte mit geringem Einkommen, Familien mit Kindern, Alleinerziehende, aber auch Alleinlebende, ältere Menschen und zunehmend junge Erwachsene. Gleichzeitig geraten präventive Hilfen wie Fachstellen zur Wohnungssicherung unter Druck oder werden ganz gestrichen – mit gravierenden Folgen für die Betroffenen sowie für die Kommunen. „Zunehmende Armut und Wohnungslosigkeit verhindern die soziale Teilhabe einer wachsenden Bevölkerungsgruppe, verringern Bildungschancen und gefährden damit soziale Stabilität und Sicherheit“, so die vier kirchlichen Wohlfahrtsverbände.

Wohnen wird zur Armutsfalle
Wohnarmut beginnt lange vor Wohnungslosigkeit. Sie zeigt sich dort, wo Menschen einen immer größeren Teil ihres Einkommens für Miete aufbringen müssen und die Mittel für ein angemessenes Leben immer geringer werden. Dies ist kein individuelles, sondern ein strukturelles Problem – und es betrifft längst nicht mehr nur einzelne Gruppen, sondern reicht tief in die Mitte der Gesellschaft.

„Bezahlbares Wohnen ist ein existentielles Grundrecht“, betont Oberkirchenrätin Sabine Jung, Vorstandsvorsitzende der Diakonie Baden. „Die Lösung von Wohnungsnot ist die zentrale Zukunftsfrage für Baden-Württemberg. Mit der neuen Landesregierung eröffnet sich die Chance, diese drängende soziale Frage anzugehen und bezahlbaren Wohnraum als Daseinsvorsorge zu begreifen. Dafür braucht es jetzt klare Prioritäten und verlässliche Entscheidungen.“

Hilfen stärken und fest verankern
Die kirchlichen Wohlfahrtsverbände sehen insbesondere in der Stärkung der Prävention einen entscheidenden Schlüssel: Wohnungsverlust muss verhindert werden, bevor er eintritt. Beratungs- und Fachstellen zur Wohnungssicherung sind unverzichtbar und deshalb landesweit vorzuhalten. Kürzungen in diesem Bereich verschärfen die Wohnungsnot und führen langfristig zu höheren gesellschaftlichen Folgekosten.

Zugleich braucht es deutlich mehr bezahlbaren Wohnraum. Neben einem starken sozialen Wohnungsbau ist es notwendig, bestehende Potenziale besser zu nutzen. Der Umgang mit Leerstand ist dabei ein zentraler Hebel – sozial, wirtschaftlich und ökologisch.

„Wir können es uns nicht leisten, Wohnraum leer stehen zu lassen, während Menschen verzweifelt eine Wohnung suchen“, erklärt Dr. Annette Holuscha‑Uhlenbrock, Vorständin des Caritasverbandes Rottenburg‑Stuttgart. „Die Mobilisierung von bestehendem Wohnraum ist deutlich günstiger als Neubau und wirkt schnell. Dafür brauchen bewährte Modelle wie die Kirchliche Wohnrauminitiative eine verlässliche öffentliche Förderung.“

Wohnarmut und Wohnungslosigkeit verbindlich bekämpfen
Caritas und Diakonie in Baden-Württemberg erwarten von der neuen Landesregierung, die Bekämpfung von Wohnarmut und Wohnungsnot als verbindliches Ziel in der Landespolitik zu verankern – als soziale Kernfrage der Regierungsarbeit.

Entscheidend sind dafür klare Maßnahmen:

Die kirchlichen Wohlfahrtsverbände bringen gerne ihre langjährige Erfahrung, ihre fachliche Kompetenz und ihre Nähe zu den betroffenen Menschen ein, um gemeinsam mit dem Land und den Kommunen ein soziales und gerechtes Baden-Württemberg zu gestalten. 

Die vier kirchlichen Wohlfahrtsverbände sind:
Caritasverband für die Erzdiözese Freiburg, Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Diakonisches Werk Baden, Diakonisches Werk Württemberg.

Sie engagieren sich spitzenverbandlich für die Interessen von armen, benachteiligten und hilfebedürftigen Menschen. Als Dachverbände vertreten sie mehr als 7.500 evangelische und katholische Einrichtungen und Dienste, in denen rund 1,5 Millionen Personen betreut und begleitet werden. In den Verbänden arbeiten rund 173.000 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Die Angebote von Diakonie und Caritas richten sich an alte und pflegebedürftige Menschen, Kinder, Jugendliche und Familien, Arbeitslose, Wohnungslose, Menschen mit Behinderung, Menschen mit Fluchterfahrung oder mit einer Suchterkrankung, überschuldete und andere arme Menschen.

Pressekontakte

Diakonisches Werk der Evangelischen Landeskirche in Baden e.V.
Rebecca Müller-Hocke
Tel.: 0721 9349-349
E-Mail: rmueller-hocke@diakonie-baden.de

Diakonisches Werk der evangelischen Kirche in Württemberg e.V.
Claudia Mann
Tel.: 0711 1656-334
E-Mail: mann.c@diakonie-wuerttemberg.de

Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart e.V.
Eva-Maria Bolay
Tel.: 0711 2633-1288
E-Mail: bolay@caritas-dicvrs.de

Caritasverband für die Erzdiözese Freiburg e.V.
Thomas Maier
Tel.: 0761 8974-108
E-Mail: maier.t@caritas-dicv-fr.de

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