Familien unter Druck: Wohnen und Förderprogramme im Fokus
Fachveranstaltung und Diskussion mit Landespolitikerinnen und -politikern.
Stuttgart, 9. Juli 2026. Die sozialen und wirtschaftlichen Belastungen für Familien im Land nehmen spürbar zu. Vor diesem Hintergrund luden die Diakonie Württemberg, der Landesfamilienrat Baden-Württemberg und die Evangelische Schwesternschaft Herrenberg-Korntal am Dienstagabend, 7. Juli 2026, zu einer Fachveranstaltung mit Podiumsdiskussion in Stuttgart ein. Unter dem Titel „Familien unter Druck – Wohin steuert die Familienpolitik in Baden-Württemberg?“ diskutierten Expertinnen und Experten sowie die familienpolitischen Sprecherinnen und -sprecher der Landtagfraktionen Bündnis 90/Die Grünen, CDU und SPD über dringende Reformen und die künftige Ausrichtung der Familienpolitik der neuen Landesregierung.
Dr. Kornelius Knapp, Vorstand Sozialpolitik des Diakonischen Werks Württemberg und Vorsitzender des Landesfamilienrates, erläuterte zu Beginn des Abends: „Fast jedes soziale Thema hat einen Widerhall in der Familie. Die Pflege älterer Menschen, die Begleitung von Menschen mit Behinderung, psychische Beeinträchtigung, Sucht, Armut, Migration und Wohnen – alles das findet wesentlich auch im familiären Kontext statt, der erwiesenermaßen oft unter großem Druck steht“, so Knapp. Er betonte: „Wir freuen uns, dass wir zu Beginn der neuen Legislaturperiode die wesentlichen familienpolitischen Akteure gemeinsam an einen Tisch bringen können, um die politischen Rahmenbedingungen für die Entlastung von Familien in Baden-Württemberg weiter voranzubringen.
Über die Zukunft des Berufsbildes der Familienpflegerin bzw. des Familienpflegers sprach Michael Köhler, fachlicher Vorstand der Evangelischen Diakonieschwesternschaft Herrenberg-Korntal. Er warnte vor gravierenden Engpässen bei der Ausbildung neuer Fachkräfte an den wenigen noch verbliebenen Schulen: „Um diese Ausbildung weiter anbieten zu können, braucht es verlässliche Bedingungen für Träger zur Refinanzierung, diese Lösungen sind heute schon greifbar“.
Staatssekretärin Petra Krebs (Bündnis 90/Grüne) aus dem Sozialministerium stellte im Anschluss die familienpolitische Agenda der neuen Landesregierung vor. Neben bereits laufenden Maßnahmen arbeite das Ministerium an einer neuen, übergreifenden Gesamtstrategie. „Die Landesregierung setzt weiterhin auf die Stärkung der Landesfamilienförderstrategie. Diese werden wir unter anderem ergänzen durch ein Bündnis gegen Einsamkeit“, so die Staatssekretärin. Darüber hinaus seien im Feld der Familienpolitik nicht nur Kinder, sondern auch andere Generationen und Lebenslagen im Blick, „beispielsweise ist die häusliche Pflege ohne Familie nicht leistbar.“
In der anschließenden Podiumsdiskussion debattierten die familienpolitischen Sprecherinnen und Sprecher der Landtagsfraktionen über konkrete familienpolitische Weiterentwicklungsansätze. Es diskutierten Lea Geldner (Bündnis 90/Grüne), Stefan Teufel (CDU, in Vertretung für Isabell Huber) und Dr. Dorothea Kliche-Behnke (SPD).
Lea Geldner betonte, um Familien wirksamer entlasten zu können, müssten die bereits existierenden Strategien und Unterstützungsmaßnahmen noch besser miteinander verbunden werden. „Auch die Umsetzung des verbindlichen und kostenfreien letzten Kitajahres ist ein wichtiger Baustein in Hinblick auf Unterstützung und Entlastung“, so die Landtagsabgeordnete der Grünen-Fraktion.
Familienpolitik sei eine wichtige Querschnittsaufgabe, die dafür vorgesehenen Mittel müssen verstetigt werden, sagte CDU-Landtagsabgeordneter Stefan Teufel, „Eine weitere Facette in dieser Hinsicht sind Übernachtungszuschüsse, die vor allem auch beim Thema Azubiwohnen wichtig sind. Und Familien können auch unterstützt werden durch den Erwerb von Wohneigentum, dazu wollen wir uns bei den Haushaltsberatungen einsetzen“, so Teufel.
Dr. Dorothea Kliche-Behnke unterstrich: „Wohnen ist das zentrale Thema, auch für Familien.“ Die Wirkung der Familienförderstrategie müsse spürbarer und Institutionen gestärkt werden. „Dabei muss auch die Situation der beteiligten Kommunen und deren Prioritäten mit bedacht werden, was im Umkehrschluss bedeutet, die Kommunen entweder besser zu stärken oder als Land solche wesentlichen Aufgaben an sich zu ziehen“, betonte die SPD-Landtagsabgeordnete.
Einig wurde sich die Podiumsrunde in zentralen Punkten: Der Bereich des Wohnens benötigt für Familien dringend stärkere Unterstützung. Zudem wurde die Zusammenführung und breitere Verankerung verschiedener Förderprogramme als wirksamer Hebel für die Zukunft bewertet.