In einem Saal vor einer großen beleuchteten Leinwand sitzen zahlreiche Personen auf Stühlen und schauen auf die Bühne, auf der eine Moderatorin steht.

Klimaschutz in der Sozialwirtschaft stärken

Diakonie und Caritas in Baden-Württemberg appellieren an neue Landesregierung: Sozialwirtschaft als Schlüsselakteur für Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt

Stuttgart, 18. März 2026. Kurz nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg fordern die vier kirchlichen Wohlfahrtsverbände von der neuen Landesregierung entschlossenes Handeln: Klimaschutz in sozialen Einrichtungen braucht verlässliche Investitionen und praktikable Förderprogramme. Nur wenn Bund und Land jetzt die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, können Pflegeheime, Beratungsstellen und soziale Dienste ihre Gebäude klimafreundlich modernisieren und zugleich ihre Angebote für die Menschen im Land sichern.

Diakonie und Caritas in Baden-Württemberg wenden sich mit einem gemeinsamen Appell an die neue Landesregierung: Klimaschutz in der Sozialwirtschaft muss politisch gestärkt und finanziell verlässlich ermöglicht werden. Die kommenden Monate sind entscheidend, um die Rahmenbedingungen für klimafreundliche soziale Einrichtungen und eine zukunftsfähige soziale Infrastruktur zu verbessern.

Unter dem Motto „Zukunft sozial – Nachhaltige Wege für die Freie Wohlfahrt von morgen“ ging es beim 5. Nachhaltigkeitskongress am 17. März 2026 um konkrete Lösungen für Klimaschutz und Nachhaltigkeit in der Sozialwirtschaft. Rund einhundert Fach- und Führungskräfte von Diakonie und Caritas mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Verwaltung tauschten sich im Haus der Wirtschaft in Stuttgart aus.

Unterstützung durch Keynotespeaker Till Kellerhoff (Club of Rome Deutschland)
Einen zentralen Impuls setzte Till Kellerhoff vom Club of Rome Deutschland mit seiner Keynote zur Rolle der Sozialwirtschaft im gesellschaftlichen Wandel: „Der Übergang zu einer klimaneutralen Gesellschaft ist kein rein technisches Projekt, sondern ein tiefgreifender gesellschaftlicher Wandel. Er findet in eine ungleiche und polarisierte Gesellschaft hinein statt – deshalb müssen ökologische und soziale Fragen von Anfang an zusammen gedacht werden“, betonte Till Kellerhoff und machte deutlich: „Einrichtungen der Sozialwirtschaft erleben jeden Tag, wie eng Klimafragen mit Aspekten von Teilhabe, Lebensqualität und sozialer Sicherheit verbunden sind. Damit dieser Wandel gelingt, braucht es entschlossenes staatliches Handeln, verlässliche Rahmenbedingungen und öffentliche Investitionen in eine nachhaltige soziale Infrastruktur.“

Vor diesem Hintergrund ist es aus Sicht von Diakonie und Caritas in Baden-Württemberg entscheidend, dass Bund und Länder gemeinsam ausreichende Investitionsmittel für die energetische Modernisierung sozialer Infrastruktur bereitstellen.

Appell: Förderprogramm zur klimagerechten Sanierung sozialer Infrastruktur auf den Weg bringen
Die kirchlichen Wohlfahrtsverbände sehen auf Bundesebene wichtige Ansätze für ein Förderprogramm zur klimagerechten Sanierung sozialer Infrastruktur, das Investitionen von bis zu einer Milliarde Euro jährlich über zehn Jahre ermöglichen könnte. Die Verbände appellieren an die Bundesregierung, ein solches Programm zügig auf den Weg zu bringen. Zugleich erwarten sie, dass sich die neue Landesregierung aktiv dafür einsetzt, dass soziale Einrichtungen bei zukünftigen Investitionsprogrammen angemessen berücksichtigt werden, denn die energetische Modernisierung sozialer Einrichtungen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Bund und Länder müssen gemeinsam dafür sorgen, dass die notwendigen Investitionen möglich werden.

Sondervermögen des Landes wirksam einsetzen
Das Land Baden-Württemberg spielt eine zentrale Rolle dabei, Investitionsmittel wirksam in die Praxis zu bringen: Neben Bundesprogrammen bietet das Sondervermögen des Landes die Chance, Klimaschutzmaßnahmen in sozialen Einrichtungen gezielt voranzubringen. Die Wohlfahrtsverbände erwarten deshalb, dass Förderprogramme so ausgestaltet werden, dass soziale Träger tatsächlich Zugang zu den Mitteln erhalten.

Dafür braucht es insbesondere:

Nur wenn Fördermittel schnell und effizient eingesetzt werden können, lassen sich die Klimaschutzpotenziale der Sozialwirtschaft tatsächlich heben.

Klimaschutz sozial gerecht gestalten
Der Weg zu einer klimafreundlichen Gesellschaft ist untrennbar mit sozialen Fragen verbunden. Steigende Energie- und Mobilitätskosten belasten besonders einkommensschwache Haushalte. Gleichzeitig verfügen gerade sie über die geringsten Möglichkeiten, in klimafreundliche Alternativen zu investieren. Soziale Einrichtungen erleben diese Herausforderungen täglich – etwa in der Beratung von Menschen in Energiearmut oder in sozial benachteiligten Quartieren. Klimaschutzmaßnahmen in der Sozialwirtschaft können daher zugleich ökologische und soziale Wirkung entfalten.

Die vier kirchlichen Wohlfahrtsverbände erwarten von der neuen Landesregierung, Klimaschutz als integralen Bestandteil der sozialen Daseinsvorsorge zu stärken. Investitionen in nachhaltige Gebäude, Energieversorgung und Infrastruktur sind Voraussetzung dafür, dass soziale Einrichtungen auch künftig verlässlich für die Menschen im Land da sein können. Die Verbände sind bereit, diesen Weg gemeinsam mit Politik und Verwaltung aktiv und partnerschaftlich zu gestalten.

Energetische Sanierungen und Klimaanpassung dringend geboten
Allein die vier kirchlichen Wohlfahrtsverbände betreiben in Baden-Württemberg rund 7.500 evangelische und katholische Einrichtungen und Dienste und erreicht mit ihren Angeboten fast 1,5 Millionen Menschen – von Pflegeheimen über Beratungsstellen bis zu Einrichtungen der Jugendhilfe und Eingliederungshilfe. Investitionen in klimafreundliche Gebäude, erneuerbare Wärmeversorgung und nachhaltige Infrastruktur entfalten aus Sicht von Caritas und Diakonie eine doppelte Wirkung: Sie leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und sichern zugleich Pflege, Beratung, Betreuung und Teilhabe.

Viele Gebäude sozialer Einrichtungen sind jedoch energetisch sanierungsbedürftig. Gleichzeitig fehlen in den bestehenden Finanzierungssystemen häufig Mittel für größere Investitionen. Energetische Sanierungen oder Maßnahmen zur Klimaanpassung gelten bislang oft nicht als wirtschaftlich, notwendige Kosten und können daher kaum refinanziert werden.

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