Grundsicherung und Wohngeld: Reformen verschärfen Armut
Hohe Hürden reduzieren Anspruchsberechtigte
Stuttgart, 29. Juni 2026. Die Einführung der Grundsicherung zum 1. Juli und die geplanten Änderungen für den Wohngeldbezug sorgen nach Ansicht der Diakonie Württemberg für zunehmende Armut im Land.
Die Reform des Bürgergelds krankt am wieder eingeführten Vermittlungsvorrang, Sanktionsdruck und Eingliederungsplan, stellt die Diakonie Württemberg fest.
„Viele arbeitslose Menschen brauchen Unterstützung, um wieder am Arbeitsleben teilhaben zu können – und keinen Druck, der Angst und Destabilisierung erzeugt“, sagt Oberkirchenrätin Dr. Annette Noller, Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg. Es halte sich hartnäckig die Unterstellung, dass Menschen im Bezug von Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II nicht arbeiten wollen.
Aus der Praxis bestätigt Tanja Herbrik, Vorsitzende des Fachverbands Arbeitslosenhilfe im Diakonischen Werk Württemberg, dass Menschen in Langzeitarbeitslosigkeit für ihre berufliche Eingliederung „intensive individuelle Förderung und einen langen Atem“ brauchen. Die Diakonie Württemberg hatte mit ihrem zweijährigen Projekt „Zukunftsgutscheine“ gezeigt, dass berufliches Coaching wirken kann – mehr als die Hälfte der langzeitarbeitslosen Teilnehmenden konnte am Arbeitsmarkt wieder Fuß fassen. „Wer denkt, dass die Androhung eines vollständigen Leistungsentzugs eine nachhaltige berufliche Eingliederung bewirkt, täuscht sich“, so Herbrik.
Weiter kritisiert die Diakonie Württemberg die geplanten Änderungen beim Wohngeld. „Die vorgesehenen Kürzungen und strengeren Anspruchsvoraussetzungen drohen Menschen mit geringem Erwerbseinkommen von dieser Leistung auszuschließen“, sagt Annette Noller.
Das Wohngeld sei dafür da, um Mietpreissteigerungen auszugleichen und damit eine zentrale Unterstützung für Haushalte, die trotz Arbeit oder geringer Rente ihre Miete kaum bezahlen können. Dazu gehören vor allem Rentnerinnen und Rentner, Familien, Alleinerziehende sowie Beschäftigte im Niedriglohnsektor. Nach den Reformplänen soll der Kreis der Anspruchsberechtigten deutlich verkleinert und die Leistungen für viele gesenkt werden. Besonders betroffen wären Haushalte, die bislang nur knapp Anspruch auf Wohngeld haben.
Die Diakonie Württemberg warnt: Der Wegfall des Wohngeldanspruchs kann für viele Betroffene zu finanziellen Notlagen und im schlimmsten Fall zum Verlust der Wohnung führen. Diakonische Beratungsstellen berichten schon jetzt von komplizierten und langwierigen Antragsverfahren und Schwierigkeiten der Klientinnen und Klienten mit der Wohngeldstelle.
„Wir wünschen uns Reformen mit Augenmaß, die langfristig angelegt sind, und die Bedarfe der Menschen sowie Folgeprobleme bedenken“, so das Resumée von Oberkirchenrätin Dr. Annette Noller, Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg