Kinderverschickung
Geschichte, Erfahrungen und Aufarbeitung
In den 1950er bis hinein in die 1980er Jahren wurden Kinder im Alter von zwei bis- ca. zwölf Jahren auf Empfehlung von Ärzten, Gesundheits- und Jugendämtern in Kinderkurheime verschickt. Der drei- bis achtwöchige Heimaufenthalt eines Kindes sollte der Verbesserung des Gesundheitszustandes dienen. Im Gegensatz zu Ferienlagern, städtischen Naherholungsprogrammen oder Aufenthalten in Schullandheimen wurden die Kinder dabei gänzlich von ihrem gewohnten Umfeld isoliert: Elternbesuche waren untersagt, der Kontakt nach außen streng reglementiert, die Post unterlag der Zensur, Geschwister und Spielgefährten waren meist auf verschiedene Heime verteilt. Verschickt wurde innerhalb eines bundesweiten Netzes, in einzelnen Fällen auch ins Ausland.
Ein Teil der Betroffenen berichtet über erschütternden Erfahrungen, die sie im Rahmen ihrer Verschickung erlitten haben. Sie erlitten in den Kindererholungsheimen durch die Betreuungspersonen physische und psychische Gewalt.
Nach Bekanntwerden nahm sich die Diakonie Württemberg seit Herbst 2019 der Thematik an. Zur Aufarbeitung wurde die Kulturwissenschaftlerin Frau Dr. Silberzahn-Jandt zunächst damit beauftragt, die archivierten Dokumente auszuwerten. Ab 2023 erfolgte eine vertiefende Befassung mit dem Haus Hubertus, dem Bühlhof und dem Haus Carola, da sich diese Häuser durch ganz exzeptionelle und diverse Quellenmaterialien auszeichnen. Die Forschungsergebnisse liegen seit Herbst 2025 vor und wurden am 03.12.2025 der Fachöffentlichkeit vorgestellt.
Links und Downloads
Ansprechperson
Monika Memmel
Referentin für Aufarbeitung und Intervention in der Fachstelle sexualisierte Gewalt
memmel.m@diakonie-wuerttemberg.de 0711 1656462 0175 6803117