Unterwegs

Der Anfang

Wir sind unterwegs. Wir haben den Schritt gewagt und unsere gewohnte Alltagswelt für 3 Monate verlassen.

Statt Wohnung - ein VW Bus,
statt Arbeit - freie Zeit,
statt Familie, Freundeskreis, Arbeitskolleg*innen, Nachbarschaft – Zweisamkeit und neue Gesichter,
statt vertraute Wege in Deutschland – unbekannte und zum Teil abenteuerliche Straßen quer über den Balkan. 

Statt kleinen und großen Sorgen um den Alltag und das weltweite Geschehen - endloses Staunen über überwältigend schöne Natur: majestätische Berge, tiefe Schluchten, endlose Wälder, glasklare und türkisfarbene Flüsse...

Griechenland – zwei Projekte

Jetzt sind wir in Griechenland in Thessaloniki bei NAOMI (https://naomi-thessaloniki.net) und WAVE (https://wave-thessaloniki.com) angekommen.

Statt Natur – eine pulsierende Stadt, in der an jeder Straßenecke Moderne und Altertum aufeinandertreffen.

Statt der Travellerwelt - griechischer Alltag und die Realität mit der Geflüchtete hier konfrontiert sind (kaum Zugang zum Arbeitsmarkt, je nach Stand des Asylverfahrens teilweise gar keine staatliche Unterstützung bzgl. Wohnung und Grundversorgung, Angst vor Push Backs). Statt flüchtigen Begegnungen am Wegrand mit Reisenden und Campingplatzbesitzer*innen - intensiver Austausch mit Mitarbeiter*innen und Geflüchteten -  Herzensbegegnungen – ein gegenseitiges Geben und Nehmen, trotz vieler Sprachbarrieren.

Nie hätte ich gedacht, mal in einer griechischen Nähwerkstatt zu stehen und Hosentaschen zu bügeln und hätte man Johannes gesagt, er würde tagelang Gemüse schneiden – wer weiß, ob er sich drauf eingelassen hätte! Wir sind dankbar uns hier 3 Wochen lang als Volontäre einbringen zu können. Interessant ist es zu erahnen, wie Sozialarbeit hier funktioniert, Einblicke in die Nähkurse und in die Produktion der Nähwerkstatt zu bekommen, nachdenklich stimmt es obdachlosen Mitmenschen zu begegnen die auf Angebote wie Wave sie macht (kostenlose Duschen, Wäscheservice, Kleiderausgabe, warmes Abendessen und die Vermittlung an medizinische Versorgung auch ohne Kranken-kassenkarte) angewiesen sind;

und wunderschön ist es leuchtende Augen bei Menschen zu sehen, obwohl sie in sehr schwierigen Lebenssituationen stehen.

Beschenkt – was wir mitnehmen

Unklar ist, wohin unser Weg führt, wenn die Zeit bei NAOMI und WAVE für uns zu Ende ist. Sicher ist, was wir mit nach Hause nehmen werden, nämlich Gedanken, Ideen und Erinnerungen an Begegnungen. Hier ein paar Beispiele:

  • Unsere Welt ist wunderschön!
  • Es ist schön, Teil einer Gemeinschaft zu sein, und etwas zu  ihr beitragen zu können.
  • Es ist wertvoll eine Heimat zu haben, vertraute Gesichter zu sehen, mit dem Fahrrad bekannte Straßen zu fahren, mit einem Lächeln begrüßt zu werden – es sind die einfachen Dinge, die zu unserem Glück beitragen!
  • Thessaloniki ist keine Fahrradstadt, so wenig Fahrräder wie hier, haben wir in keiner anderen Stadt gesehen!
  • Wir sind reich beschenkt mit Freiheit, Gaben, Wohlstand und fragen uns, was wir mit all diesen Geschenken anfangen, wie wir sie einsetzen und teilen können!
  • Menschen die mit Herz und hoher Motivation bei der Arbeit sind, sind ansteckend!
  • Arbeitsalltag funktioniert auch spontaner und improvisierter als wir es von zuhause gewohnt sind.
  • In einem Land zu sein, ohne die Sprache zu können, oder wenigstens die Buchstaben lesen zu können ist eine echte Herausforderung! Hochachtung vor allen, die das meistern!
  • So verschieden Sprachen, Aussehen und Kulturen auch sein mögen, wir sind alles Menschen mit Wünschen, Bedürfnissen und Hoffnungen; Menschen die einander zugewandt und aufeinander angewiesen sind! Menschen die einander so gut tun können!
  • Bügeln kann schön sein!

(Johannes und Simone)



Dorothee Vakalis
07.08.2022 21:51
Simone war ein Lichtblick für unser Team bei NAOMI. Sie war voller Neugier und Bereitschaft, die laufende Arbeit zu unterstützen. Dabei hat sie keine Aufgaben gescheut und auch selbst Hand angelegt, wo sie Bedarf entdeckte. Sicherlich haben sich ihr so neue Lebenswelten eröffnet und sie hat Geschichten der Flucht und der Demütigung hautnah erfahren. Hoffentlich kann Simone nun andere Frauen und Männer motivieren, sich für einen Freiwilligendienst zu melden. Damit wir von einander erfahren und gemeinsam Dinge bewegen zum Wohl unserer Mitmenschen❤️

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