06. September 2019

Naomi in Thessaloniki: Hoffnung schenken

NAOMI, Partnerorganisation der Diakonie Württemberg mit Sitz in Thessaloniki, leistet einen wichtigen Beitrag zur Integration von Menschen mit Fluchterfahrung. Sie konnte vor allem Mitarbeitenden der Nähwerkstatt Arbeit vermitteln. „Arbeiten zu dürfen, ist ein Hoffnungsschimmer, Arbeit zu haben aber zukunftsweisend“, hat Diakon Pétur Thorsteinsson, Geschäftsführer der Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ bei der Diakonie Württemberg, bei seinem Besuch erlebt.

Auch wenn die Organisation klein ist, für die Menschen, die sich bei NAOMI als Akteure erleben dürfen und nicht Gegenstand einer Hilfeleistung, ist NAOMI um so wichtiger, ist seine Erkenntnis. Besonders gefragt seien Absolventen der Nähwerkstatt. „Ihre Fertigkeiten an professionellen Nähmaschinen und die angelernten Arbeitsweisen der Textilproduktion, die sie bei NAOMI erwerben, sind beinahe eine Garantie für eine Arbeitsstelle.“ Die Textilindustrie in Thessaloniki scheine einen kleinen Aufschwung zu erleben. An Stelle der längst verschwundenen Großfabriken entstehen kleine Betriebe mit  bis zu zehn Angestellten, dort fehlten nun angelernte Arbeiter sowie ausgebildete Fachkräfte. Mitten in dem Stadtteil, wo viele dieser Betriebe sind, sind auch die Ausbildungsräume von NAOMI. Und das Netzwerk wächst.

Mittelfristig wird die Nähwerkstatt für vier Zielgruppen ausgebaut. Neben dem traditionellen Unterricht an der Haushaltsnähmaschine und dem Training für Anfänger und Fortgeschrittene an Industriemaschinen soll es auch Kurse für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge geben. Ziel dieser neuen Kurse ist vorrangig, die Teilnehmer zu trainieren, am praxisnahen Unterricht teilzunehmen.

Die soziale Arbeit von NAOMI mit Flüchtlingen wird zunehmend facettenreicher, gleichzeitig führt die enge Kooperation mit weiteren Organisationen vor Ort zu einer gewissen Spezialisierung. Hat NAOMI in der Nothilfe für neu angekommene Flüchtlinge angefangen, so ist heute der Fokus auf der Gruppe der Flüchtlinge, die in Thessaloniki „fest sitzen“ und/oder für sich entschieden haben, vor Ort eine Zukunft aufzubauen – so weit das bei den vorhandenen Rahmenbedingungen möglich ist. Das bedeutet für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ökumenischen Flüchtlingswerkstatt ein hohes Maß an Flexibilität. Vor drei Jahren noch wollte eine große Mehrheit der Flüchtlinge Deutsch lernen, da die meisten im Rahmen der Familienzusammenführung auf dem Weg nach Deutschland waren. „Heute machen sich die meisten keine Illusionen mehr. Sie sind in Griechenland und bleiben iauch dort. Also gilt es die Sprache zu lernen und dort anzukommen“, sagt Pétur Thorsteinsson.

Bei NAOMI wird großen Wert darauf gelegt, dass die Arbeit mit den Flüchtlingen und nicht nur für die Flüchtlinge gestaltet wird. Zum Beispiel wird bald eine Frau mit Fluchterfahrung als Kursleiterin in der Nähwerkstatt einsteigen. Durch das zunehmende eigene Management und die eigene Produktion soll deutlich werden, dass der Respekt den Menschen mit Fluchterfahrung gilt. Alles, was für den Verkauf produziert wird, ist von hoher Qualität und die Umweltverträglichkeit der Produkte zeugt von Liebe zur Erde.

Die Beratung nimmt bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von NAOMI viel Zeit in Anspruch. Durch Spenden aus Deutschland hat der Verein die Möglichkeit, Menschen in besonderen Notlagen zu helfen. Oft fehlt es an Geld für die Versorgung kranker Kinder, Medikamente werden gebraucht oder einfach eine warme Jacke in der kälteren Jahreszeit.

Ein internationales Team leitet die Arbeit von NAOMI. Viele Freiwillige kommen aus Deutschland und weiteren Ländern. Aus dem einst ehrenamtlichen Engagement in der Evangelischen Kirchengemeinde Deutscher Sprache wuchs ein Verein, der nun vor der Entscheidung steht, ob die Produktion die Gestalt eines sozialen Unternehmens annehmen wird. Noch sei es nur eine Idee, vielleicht zu groß für einen kleinen Verein. „Aber die Idee zeugt von einem vorbildlichen Vertrauen in die Arbeit mit Flüchtlingen und dem Zutrauen, dass etwas, das klein anfängt, wachsen kann.“

Im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen der Diakonie Württemberg und NAOMI gibt es einen regen Austausch. Es finden gegenseitige Besuche statt und seit Anfang September ist ein FSJ-ler, von der Diakonie Württemberg entsandt, im Einsatz bei NAOMI. Für Pétur Thorsteinsson liegt der Schlüssel einer guten, internationalen Zusammenarbeit in einem „offenen Miteinander der Personen und geregelten Zuständigkeiten der Akteure und beteiligten Institutionen“. Sein Besuch bei NAOMI hat bestätigt, dass ein Miteinander über Grenzen hinweg allen Beteiligten hilft, die Sachlage fachlich zu analysieren und entsprechend Entscheidungen zu treffen .

NAOMI wird durch die Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ (Diakonie Baden und Diakonie Württemberg), durch die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck und die Evangelische Kirche im Rheinland sowie durch Brot für die Welt und private Spenden finanziert.


Lichtblicke – Benefiz-Abend 2024

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