22. April 2020 News

Trauer um Ingrid Scholz

Ingrid Scholz. © privat

Das Diakonische Werk Württemberg trauert um Ingrid Scholz, die am 4. April 2020 im Alter von 68 Jahren völlig unerwartet verstorben ist.

Ingrid Scholz war von 1979 bis zu ihrem Ruhestand im Jahr 2017 als Referentin und danach bis zu ihrem Tod als Honorarmitarbeiterin in der Abteilung Kinder, Jugend und Familie der Landesgeschäftsstelle tätig. Das Foto, das die Familie von Ingrid Scholz zur Verfügung gestellt hat, steht sinnbildlich für vieles, was in ihrem Wirken in der Diakonie erlebbar war.

Ingrid Scholz – denen verpflichtet, die „aus dem Rahmen fallen“

Ihre Berufsbiographie hatte in der sozialpädagogischen Praxis mit benachteiligten jungen Menschen begonnen. Zunächst in der Heimerziehung später dann als Bildungsreferentin im Diakonischen Werk Württemberg begleitete sie junge Menschen, Wege zu sich und in die Gesellschaft zu finden. Die Parteilichkeit für junge Menschen war bis zum Ende ihres beruflichen Handelns spürbar leitend für ihr breites fachpolitisches Wirken.

Ingrid Scholz – die richtigen Rahmungen für Anliegen findend

Von den Mitgliedseinrichtungen der Diakonie Württemberg wurde sie als kompetente Beraterin und hoch einsatzbereite Unterstützerin in der Konzeptionsentwicklung und bei Leistungsverhandlungen geschätzt. Ideenreich half sie in vielfältiger Weise beim Entwickeln neuer Projekte und unterstützte tatkräftig Anträge zum Erschließen von Finanzierungsquellen. Dabei hatte sie besonders immer auch die spezifischen Anforderungen und Anliegen von kleinen Trägern und Einrichtungen im Blick. Im Evangelischen Fachverband Kinder, Jugend und Familie wurde sie als langjährige verlässliche und kompetente Begleiterin der fachverbandlichen Prozesse und Anliegen wahrgenommen.

Ingrid Scholz – immer bestrebt, den Rahmen zu erweitern

Als Referentin für Jugendsozialarbeit und soziale Integration gestaltete sie die Angebotslandschaft für benachteiligte junge Menschen in Baden-Württemberg nachhaltig mit. Sie war viele Jahre Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendsozialarbeit sowie der Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit und vertrat das Diakonische Werk in zahlreichen Landes- und Bundesgremien.

Ingrid Scholz – über zu enge Rahmen hinaus denkend

Beim wichtigen Thema der Aufarbeitung von Unrecht in der Heimerziehung der 1950er bis 1970er Jahre wurde sie zu einer zentralen Akteurin in der Diakonie Württemberg. Sie war einerseits verlässliche Ansprechpartnerin für Betroffene, denen sie einfühlsam zugewandt war, um sie in der individuellen Bewältigung erlittenen Leids zu unterstützen. Gleichzeitig begleitete sie die Mitglieder bei der institutionellen Aufarbeitung und gestaltete die Aktivitäten auf Landes- und landeskirchlicher Ebene mit. Dass daraus Konsequenzen für die heutige Praxis im Bereich Prävention, Beteiligung und Beschwerde wirksam werden, war ihr ein wichtiges Anliegen, das sie mit Tatkraft verfolgte: im Prozess der Entwicklung der Selbstverpflichtung Kinderschutz und Kinderrechte der Diakonie Württemberg sowie der Weiterentwicklung der Praxis von Beteiligung und Beschwerde in der Jugendhilfe, auch durch ihre Mitwirkung an der modellhaften Entwicklung eines landesweiten Ombudsystems.

Ingrid Scholz – zu authentisch und aufrecht, um selbst in einen Rahmen zu passen

Ingrid Scholz vertrat konsequent und – wenn nötig – auch hartnäckig und beharrlich ihre fachlichen Überzeugungen und scheute nicht davor, in Konflikte zu gehen. Von Hierarchien ließ sie sich wenig beeindrucken, wenn es darum ging, für die Rechte von benachteiligten Menschen einzutreten. Sie verstand es dabei in beeindruckender Weise, auch schwierige Auseinandersetzungen so zu gestalten, dass sich alle respektiert fühlten. Neben ihrem Humor half ihr dabei sicher ihre große Gabe, allen Menschen mit dem gleichen Maß an Wertschätzung zu begegnen. Ihre tiefen fachlichen Überzeugungen, ihre langjährige Erfahrung, ihre breite Feldkompetenz über viele Bereich der Jugendhilfe, ihre Sensibilität für politische Prozesse hielten sie nicht davon ab, Ihrem jeweiligen Gegenüber zugewandt zu sein – jungen wie erfahrenen Kolleginnen und Kollegen, jungen Menschen und betroffenen ehemaligen Heimkindern, einflussreichen Entscheidungs- und Würdenträgern mit jeweils gleicher Wertschätzung zuzuhören.

Die Diakonie Württemberg ist dankbar für den wertvollen, langjährigen und vielfältigen Dienst von Frau Scholz. Wir werden Sie in lebendiger Erinnerung behalten. Unser besonderes Mitgefühl gilt ihrer Familie.